Der Weltmissionssonntag in Immensee

Am 19. Oktober 2025 organisierte der Freundschaftskreis SMB im Zusammenhang mit dem Weltmissionssonntag einen Anlass unter dem Motto «Mission der Hoffnung – gegen alle Hoffnungslosigkeit in unserer verrückten Welt». Thema war: «Auf den Spuren von 50 Jahren SMB in Peru – Rückblick und Ausblick.» Eingeladen waren auch ehemalige Einsatzleistende in Peru von SMB, Interteam und BMI.

30.10.2025

Autoren: Astrid Peissard / Peter Leumann
Fotos: Astrid Peissard / Lydia Leumann / Anna Schäli

Die Eucharistiefeier um 10 Uhr stand unter dem Stern der Dankbarkeit für die langjährige SMB-Präsenz in Peru. Geleitet wurde der Gottesdienst von Emilio Näf SMB, der von 1975 bis 1993 in der peruanischen Hafenstadt Callao wirkte. Assistiert wurde er vom auf Besuch weilenden Generalvikar der Diözese Gweru in Simbabwe, Fr. Simon Mavhiya.

Die Sängerin Liliana Frei-Lozano mit ihrer ausdrucksstarken Stimme und die eindrücklichen Instrumentalisten Urpi und Manuel bereicherten den Gottesdienst musikalisch. Eine sorgfältig gestaltete, spanisch-deutsche Broschüre gab den Ablauf der Feier wieder und ermöglichte den Anwesenden mitzusingen.

Sie gestalteten den Gottesdienst zum Weltmissionssonntag: Simon Mavhiya, Liliana Frei-Lozano, Urpi und Manuel, Emilio Näf.

Ein peruanisches Volkslied, ein Liebesbrief und der Stern von Bethlehem

Emilio Näf spannte den Bogen in seiner Predigt über drei Gedanken und Themenkreise:

  • Ein Volkslied in den Farben der peruanischen Nationalfahne: «Gott malte meine Seele weiss und rot. Und um nichts in der Welt gehe ich hier weg. Aber wenn du in ein anderes Land gehst, erzähle ihnen dort, was hier in Wahrheit geschieht: Erzähl ihnen, dass der Hass und das Elend uns nicht klein bekommen haben. Erzähl von all den guten Menschen hier, die ihr Leben für den Frieden gegeben haben. Und dass die, die bleiben, sich zusammentun, um hier weiterzumachen. – Meine weiss-rote Seele tanzt, tanzt mit den Sorgen, tanzt mit den Freuden, tanzt ihren Weg. Sie tanzt, weil unser Gott des Lebens sie befreien wird.»
  • Ein «Liebesbrief» des peruanischen Befreiungstheologen Gustavo Gutiérrez: «Für mich heisst Theologie treiben, einen Liebesbrief zu schreiben an den Gott, an den ich glaube, an das Volk, dem ich angehöre, und an die Kirche, deren Mitglied ich bin – einen Brief einer Liebe, der Sprachlosigkeit und selbst Verdruss nicht fremd sind, die aber vor allem Quelle einer tiefen Freude ist.»
  • Schliesslich der «Stern von Bethlehem»: Vor 50 Jahren begann sich die SMB in Peru in Projekten zu engagieren, im Dienst an den Menschen in der Stadt oder abgelegen in den Anden auf dem Hochland. Equipen, Familien mit Kindern, Einzelpersonen engagierten sich im Geist von Bethlehem in diesen Projekten. Der Geist der Einfachheit, der Präsenz und der Begleitung diente als Leitidee und ebenso die Sätze «Arbeit auf Ablösung hin» und «Was wir sind, spricht mehr als was wir sagen.»

Nach dem Gottesdienst lud die SMB alle Anwesenden zum Apero auf der Galerie ein. Es war ein buntes Zusammentreffen, ein Austausch zwischen SMB-Mitgliedern, Peru-Einsatzleistenden, Freundschaftskreis-Zugehörigen und weiteren Gästen. Besonders zu erwähnen ist das Buffet, das neben den Getränken mit wunderbarem Maisbrot aufwartete. Auch für das Mittagessen liess sich die Bistroküche kulinarisch von Peru inspirieren.

Austausch beim Apéro auf der Galerie.
Austausch beim Apéro auf der Galerie.

Vier eindrückliche Ateliers zu Peru

Nach dem Mittagessen führten Anita Baumgartner und Astrid Peissard, die den Anlass vorbereitet hatten, ins Nachmittagsprogramm mit vier Begegnungen ein. Mittels kleiner, selbst gehäkelter peruanischer Mützen in verschiedenen Farben teilten sie die Anwesenden in vier Gruppen à zehn bis zwölf Personen ein und schickten sie auf einen Rundgang zu vier Stationen.

Im eindrücklichen Ambiente des Raumes der Stille liessen Max Egli SMB und Esther Nussbaumer die Anwesenden teilhaben an ihrem missionarischen Einsatz Ende der 1980er-Jahre in Aucará, in einer von schrecklicher Gewalt gezeichneten, abgelegenen Gegend in den Anden. Mit verschiedenen Gegenständen und Symbolen erzählten sie mit Leib und Seele von ihren tiefen Erfahrungen mit der indigenen Bevölkerung, von Begegnungen und Ritualen. Trotz der Kargheit der Gegend und der vorherrschenden Armut gab es Feste mit Tanz und großen, geschmückten Hüten sowie religiöse Feiern, bei denen reichlich Weihwasser verwendet wurde.

Im Atelier von Max Egli und Esther Nussbaumer.
Im Atelier von Max Egli und Esther Nussbaumer.
Im Atelier von Max Egli und Esther Nussbaumer.

Mit einem «Wendekreis»-Bild mit tanzenden Peruanerinnen holte Emilio Näf SMB uns ab und forderte alle auf zu erzählen, welche Assoziationen der Name bzw. das Land Peru bei uns auslösen. Er stellte das Dialogische ins Zentrum und wünschte im Anschluss an seine Predigt einen Austausch unter den Teilnehmenden seines Ateliers über ihre eigenen vielfältigen Gedanken und Erfahrungen. Bei aller betrüblichen Realität – sei es in Peru oder anderswo in der Welt – dürfen wir die Lebensfreude und die Hoffnung auf Gerechtigkeit und Frieden nie vergessen.

Im Atelier von Emilio Näf.
Im Atelier von Emilio Näf.

Monika Winter-Pfändler, die sich wie in der Zeit ihres Einsatzes in den 1990er-Jahren in Peru kleidete, erzählte aus der Fülle ihrer Erfahrungen wie ein Wasserfall. Sie ordnete und strukturierte diese in drei Gedankenstränge und Schwerpunkte, die sie mit Materialien und Symbolen auf dem Tisch anschaulich darlegte. Sie erzählte von Freuden und Leiden, von Freundschaften und von ihrer bis heute andauernden Solidaritätsarbeit. So übernahm sie kürzlich die Präsidentschaft des Vereins «Solidarität Schweiz-Peru», der seit Jahren unter anderem ein Projekt für Menschen mit Beeinträchtigungen in Lima und verschiedene Frauenprojekte unterstützt. Zum Schluss durften die Anwesenden in zwei Alben mit Fotos aus der Einsatzzeit blättern. Das weckte bei den ehemaligen Einsatzleistenden gute Erinnerungen und löste Schmunzeln aus.

Im Atelier von Monika Winter-Pfändler.
Im Atelier von Monika Winter-Pfändler.

Der Sozialarbeiter Tobias Reichel berichtete aus seinem erst kürzlich beendeten Einsatz mit «Comundo» in Peru (2021 bis 2024). Er arbeitete mit der Organisation Manthoc zusammen, die sich seit mehreren Jahrzehnten für die Rechte von arbeitenden Kindern und Jugendlichen einsetzt – unter anderem im Rahmen des Projekts «Partinfancia», in dem junge Menschen zu Themen wie Umwelteinsatz und Gewaltprävention geschult werden. Bereits in der Vergangenheit arbeiteten Einsatzleistende von SMB und BMI mit «Manthoc». Tobias berichtete von Erfolgen, Misserfolgen und Herausforderungen. So lernte er beispielsweise, vor Großgruppen aufzutreten und diese in Workshops anzuleiten.

Nach den Verdankungen zum Abschluss des Anlasses versammelten sich zahlreiche Teilnehmende um den grossen runden Tisch im Bistro, um diesen gelungenen Anlass im Gespräch ausklingen zu lassen.

Im Atelier von Tobias Reichel.

Was gab mir/uns Mut und Durchhaltewillen damals? und was heute?

Eine Antwort mit einem Text von Paul Weismantel:

«Dem Stern folgen, auch wenn der Aufbruch Überwindung kostet, dem Stern folgen, auch wenn andere Wege viel leichter erscheinen, dem Stern folgen, auch wenn du die Hoffnung schon manchmal aufgeben wolltest, dem Stern folgen, der dir leuchtet und dich führt, in allem Dunkel und durch das Dunkel hindurch.»

Und der am 24. März 1980 ermordete Erzbischof von San Salvador, Oscar Romero, sagte: «Es gibt die Möglichkeit, etwas zu tun – und es gut zu tun. Wir sind Handlanger, nicht die Handwerkermeister. Wir sind Prophetinnen und Propheten einer Zukunft, die uns nicht gehört».

(Abschluss der Predigt von Emilio Näf am Weltmissionssonntag 2025)