Patrice Riedo wechselt in die strategische Ebene

Im Missionshaus Bethlehem in Immensee kommt es zu einem gewichtigen Wechsel: Patrice Riedo trat als Generalökonom der Missionsgesellschaft Bethlehem und Geschäftsführer des Vereins Missionshaus Bethlehem zurück – und wird dessen Präsident.

13.01.2026

Autor: Patrick Caplazi / Freier Schweizer

Als die Gründerväter 1896 die Missionsgesellschaft Bethlehem – damals noch ‹Ecole apostolique de Bethléem› – ins Leben riefen, konnten sie nicht ahnen, dass sich die geschlossene Institution dereinst zu einem öffentlichen Raum entwickelt, mit Bistro, Dienstleistungen und einem Quartier mit Wohnungen. Massgeblich mitbeteiligt an diesem Wandel war Patrice Riedo. In den letzten zehn Jahren war er Generalökonom der Missionsgesellschaft Bethlehem (SMB) und Geschäftsführer des Vereins Missions-haus Bethlehem (VMB). Ende November trat er nun vorzeitig zurück. Seine Nachfolge übernahm Alexandra Gasser, eine erfahrene Spezialistin aus dem Bankensektor. Riedo beendet sein Engagement in Immensee jedoch nicht ganz. Ab Januar übernimmt er mit einem 30-Prozent-Pensum das Präsidium des VMB. «Bis jetzt war ich bei der Umsetzung von Projekten tätig, künftig bin ich auf der strategischen Ebene im Einsatz», sagt Riedo. Er folgt auf Josef Wechsler, der nach acht Jahren als Vereinspräsident zurücktritt.

Patrice Riedo beschreitet ab Januar neue Wege.

Im Wandel der Zeit

Patrice Riedo trat dem Verein 2012 bei, vorerst als Freiwilliger. 2014 beschloss der Generalrat der SMB, für den VMB – der für die Finanzen der SMB zuständig ist – eine Geschäftsleitung einzuführen. Riedo begleitete die Aufbauphase und wurde schliesslich selbst gefragt, ob er die Stelle übernehmen würde. Riedo sagte zu. Schon bald wurde er mit dem Projekt ‹Wohnen im Bethlehem› konfrontiert. Kurz nachdem er die Rolle als Geschäftsführer übernommen hatte, wurde das Projekt von der Generalversammlung bewilligt. Die geplanten Veränderungen waren eine grosse Herausforderung – für die Verwaltung, wie auch für die Mitglieder. Viele davon waren unsicher. Sie fragten sich, ob es das wirklich braucht und wieso so viel Geld ausgegeben werden soll. 2016 wurde das Projekt für ein Jahr unterbrochen, um interne Gespräche zu führen und Überzeugungsarbeit zu leisten. Inzwischen herrscht Einigkeit.

2018 begannen die Bauarbeiten. «Die Veränderungen waren sehr prägend. Zum einen, wie sich durch die Wohnungen, ja durch das gesamte Konzept, das Bild hier veränderte. Zum anderen wurde die relativ geschlossene Gesellschaft öffentlich, etwa mit dem Bistro, mit Dienstleistungen und mit Wohnungsvermietungen», sagt Riedo. Der Erfolg gab ihm recht: «Dieser Schritt erlaubte uns, die Mitarbeiter in der Reinigung, der Wäscherei aber auch im Gastronomiebereich weiterhin zu beschäftigen.»

Patrice Riedo, Designierter Präsident des VMB

«Wir mussten uns damit auseinandersetzen, was es bedeutet, kleiner zu werden.»

Ein Neuanfang

Parallel dazu veränderte sich die Mission selbst. Einst zählte die SMB weltweit 450 Missionare, heute sind es noch rund 40. In Immensee leben 30 von ihnen, der Altersdurchschnitt beträgt 85 Jahre. Der Rückgang galt jahrzehntelang als unaufhaltsam. «Wir mussten uns damit auseinandersetzen, was es bedeutet, kleiner zu werden», sagt Riedo. Gleichzeitig setzte die Mission vor zwei Jahren ein Zeichen in die andere Richtung. Unter dem neuen Leiter der SMB, Ludovic Nobel, wurde beschlossen, wieder Priester auszubilden – allerdings in Afrika. «Das ist ein echter Neuanfang», betont Riedo. «Inzwischen sind bereits 23 junge Männer in Ausbildung. Das gibt der Mission wieder Zukunftsperspektiven.»

Projekt in Fribourg

Zu Riedos Verantwortungsbereich gehört auch ein Projekt weit ausserhalb von Immensee: die Entwicklung des Areals ‹Torry-Ost› in Fribourg. Dort besitzt die Mission über 100 000 Quadratmeter Bauland. Das Gelände soll nach der Planungsphase an Investoren verkauft werden. «Wir arbeiten an einem Projekt, das zur Mission passt und langfristig tragfähig ist», sagt Riedo. Dass er im Kanton Fribourg aufwuchs und dort studierte, hilft ihm dabei. «Ich habe noch immer viele Kontakte, das macht es einfacher.»

Nicht nur Sonnenschein

In seiner Amtszeit gab es für Patrice Riedo auch einige Schwierigkeiten zu meistern. So wurden etwa vor sieben Jahren Missbrauchsvorwürfe bekannt, die Jahrzehnte zurückliegen. Die Mission liess die Fälle untersuchen. Neue Hinweise kamen nicht dazu. «Wir haben das sehr ernst genommen und wollten Klarheit schaffen», sagt Riedo. Transparenz sei entscheidend gewesen, gerade in Zeiten, in denen das Vertrauen in viele kirchliche Institutionen erschüttert sei.

Blick in die Zukunft

Wie es mit der Missionsgesellschaft Bethlehem weitergehe, hänge von verschiedenen Faktoren ab. Ein zentrales Thema bleibe die Betreuung der älteren Mitglieder. «Viele Missionare möchten im Missionshaus bleiben und hier ihren Lebensabend verbringen. Das ist ein wichtiger Teil unserer Verantwortung», so Riedo. Die kommenden Jahre werden geprägt sein von der Frage, wie Immensee diese Aufgaben stemmen kann und wie es mit dem Ausbildungsprojekt in Afrika weitergeht.
Patrice Riedo seinerseits wird nebst dem Präsidium des VMB künftig weiterhin als Kirchenratspräsident der katholischen Kirchgemeinde Zug tätig sein. «Die neu gewonnene Zeit nutze ich und gehe skifahren und auf Reisen.» Riedo ist ein passionierter Leser. «Das Lesen kam in den letzten Jahren viel zu kurz. Ich freue mich darauf, wieder für Zeit solche Sachen zu haben.»

Zur Person

Patrice Riedo wurde 1962 in Fribourg geboren und wuchs in Tafers (FR) auf. 1989 zog er zu seiner künftigen Ehefrau nach Zug. Während seiner Karriere, in der er mehrere zentrale Führungspositionen innehatte, lebte er unter anderem für die deutsche E.G.O.-Gruppe für fünf Jahre mit seiner Familie in Atlanta im Süden der USA. Neben weiteren Tätigkeiten bei verschiedenen Unternehmen, darunter die Landis+Gyr AG, war er auch acht Jahre Präsident der Rechnungsprüfungskommission der Stadt Zug sowie Vorstand und Präsident der Allgemeinen Wohnbaugenossenschaft Zug. Riedo ist seit zwölf Jahren Präsident des Kirchenrats der katholischen Kirchgemeinde Zug.