Josef Wechsler: «Der Missionsgesellschaft Bethlehem gilt ein grosses Dankeschön!»

Nach acht Jahren an der Spitze des Vereins tritt Josef Wechsler von seinem Amt als Präsident zurück und geht mit 72 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Im Interview spricht er über prägende Momente seiner zwei Amtszeiten und verrät, welchen Projekten er sich künftig widmen möchte.

15.01.2026

Autoren: Josef Wechsler / Raquel Forster

Raquel Forster: Du bist vor acht Jahren Vereinspräsident geworden, wie kam es dazu?

Josef Wechsler: Ich wurde im Jahr 2012 vom Verein Missionshaus Bethlehem als Jurymitglied zur Beurteilung des Projektes «Wohnen im Bethlehem» angefragt. Anschliessend war ich Mitglied der geplanten Generationensiedlung. Danach wirkte ich als Mitglied des Vereins Missionshaus Bethlehem mit und ab dem 1. Januar 2018 übernahm ich schliesslich das Präsidium des Vereins.

Was hat dich an dieser Aufgabe gereizt?
Erstens:
Den SMB-Mitgliedern einen verdienten, sorgenfreien Lebensabend zu ermöglichen. Die Missionsgesellschaft hat an vielen Orten und vor allem in den ärmsten Regionen der Welt grosse Arbeit geleistet. Mit Hilfe zur Selbsthilfe bildeten sie die Einwohner zu Berufsfachleuten wie Handwerkern und Landwirten aus. Sie gründeten Schulen, bauten Kirchen, erstellten Wasserversorgungen und vieles mehr unter dem Motto «Was wir sind, spricht mehr, als was wir sagen». Als Missionare war ihnen auch die Verbreitung der frohen Botschaft ein grosses Anliegen.

Zweitens: Die Generationensiedlung mit dem betreuten Wohnen zu verwirklichen. Die Siedlung ist ein Missionsprojekt im Inland, wo der Geist von Bethlehem weiterleben soll. Als Leiter des Pflegeheims Sunnehof, Das Zuhause im Alter, stellte ich immer wieder fest, wie wichtig es ist, dass die Menschen möglichst lange zu Hause leben können und nicht frühzeitig einen stationären Platz in einem Pflegeheim benötigen. Wenn ihnen die nötigen Pflege- und Betreuungsdienstleistungen zu Hause angeboten werden, ist dies sehr wohl möglich. Dabei darf aber die Vereinsamung nicht vergessen werden. Die Generationensiedlung leistet einen Beitrag dazu. Darum war es mir wichtig, als Präsident Einfluss nehmen zu können.

Drittens: Eine nachhaltige Landwirtschaft für eine junge Bauernfamilie zu schaffen.

Josef (Sepp) Wechsler (links) und Josef Meili SMB während der 100-Jahr-Feier der Missionsgesellschaft Bethlehem im Mai 2022.

Welche Berührungspunkte hattest du früher mit der SMB?
Als Schüler von Küssnacht sammelten wir öfter Geld für die Missionsgesellschaft. Als Leiter des Sunnehofs gab es regen Austausch zwischen den beiden Betrieben Sunnehof und Bethlehem, beispielsweise in der Landwirtschaft, aber vor allem durch die Pflege und Betreuung von älteren Mitmenschen. Die Pflegeabteilung Bethlehem war für den Sunnehof eine Möglichkeit, Patienten vorübergehend zu platzieren, bis im Sunnehof ein Bett frei wurde.

Was sind die Aufgaben eines Vereinspräsidenten?
Der Präsident plant und bereitet die Sitzungen vor, er leitet sie und koordiniert die Geschäfte. Er ist bestrebt, mehrheitsfähige Lösungen zu finden. Wichtig ist auch die Überwachung der Finanzen. Dem Risikomanagement muss der Präsident grosse Beachtung schenken. Er begleitet und überwacht auch die Geschäftsleitung. Weiter ist er zuständig, dass strategische Ziele gesetzt, begleitet und kontrolliert werden. Ausserdem gilt es zu beachten, dass alle betreffenden Parteien oder Personen eingebunden sind. Der Präsident ist auch dafür verantwortlich, dass die Statuten eingehalten werden, und er vertritt den Verein nach aussen.

Josef (Sepp) Wechsler (Mitte) hielt während der 100-Jahr-Feier mehrere Ansprachen.

Was waren deine Highlights als Vereinspräsident?
Ein absolutes Highlight war sicher die Eröffnung der ersten Etappe von «Wohnen im Bethlehem» inklusive der Kitas. Ein weiterer Höhepunkt stellte das 100-Jahr-Jubiläum der Missionsgesellschaft dar. Als OK-Präsident gab es viele interessante Kontakte mit geladenen Gästen aus aller Welt.

Was waren die grössten Herausforderungen?
Die Missionsgesellschaft Bethlehem (SMB) und der Verein Missionshaus Bethlehem (VMB) bilden eine duale Organisation. Einerseits ist es die Missionsgesellschaft weltweit, mit dem Generaloberen, Generalrat und den SMB-Mitgliedern. Andererseits ist es der Verein Missionshaus Bethlehem, dem rund zwanzig zivile Personen inkl. vier SMB-Mitglieder angehören.

Die SMB ist für die missionarischen Bereiche zuständig, der Verein für die Finanzen, die Immobilien, die Liegenschaften und sämtliche Projekte. Als Vereinspräsident ist man in allen Belangen die verantwortliche Person und der Generalobere ist als Vizepräsident des Vereins und als Leiter der SMB mitverantwortlich. Der Betrieb wurde von einem Geschäftsführer geleitet. Als Präsident ist man für sämtliche strategische Aufgaben inkl. Projekte und Neuausrichtungen zuständig. Dazu kam die neue Generationensiedlung, wofür ein komplett neues Tätigkeitsfeld aufgebaut werden musste. Alle Aufgaben zur Zufriedenheit sämtlicher Beteiligten zu erfüllen, war nicht immer einfach.

OK-Präsident Josef Wechsler und SMB-Generaloberer Josef Meili im Gespräch mit Besuchern.

Josef (Sepp) Wechsler (Mitte) im Gespräch mit Josef Meili SMB und Gästen während der 100-Jahr-Feier der Missionsgesellschaft Bethlehem im Mai 2022.

Welches sind Momente, die dir immer in Erinnerung bleiben werden?
Der grosse Zuspruch und die Dankbarkeit der Patres und der Brüder für meine Arbeit haben mich sehr gefreut. Ich habe festgestellt, dass die grossartigen Werke, die die Missionsgesellschaft auf vier Kontinenten der Welt geschaffen hat, den Bewohnerinnen und Bewohnern des Bezirks Küssnacht viel zu wenig bewusst war. Weiter hat die Gesellschaft am Standort Immensee mit dem Gymnasium, der Calendaria und der Organisation Comundo Ausserordentliches bewirkt. Der Missionsgesellschaft Bethlehem gilt ein grosses Dankeschön!

Was hast du nun vor?
Mein Traum war immer, ein kleines Restaurant oder eine Berghütte zu führen, aber jetzt glaube ich, bin ich doch etwas älter geworden. Es werden jedoch in verschiedenen Bereichen Personen für Freiwilligenarbeit gesucht. Ich könnte mir vorstellen, einzelne Aufgaben zu übernehmen.

Josef (Sepp) Wechsler

Josef Wechsler ist 1953 in Küssnacht am Rigi geboren. Er erlangte zuerst das Diplom des Meisterlandwirts, danach besuchte er die Handelsschule und liess sich später noch zum Institutionsleiter mit zusätzlichem Nachdiplom weiterbilden. Zusammen mit seiner Frau Marie-Theres war er zuvor 32 Jahre lang Leiter des Sunnehofs, «Das Zuhause im Alter» in Immensee sowie 20 Jahre lang Leiter des Gutsbetriebes Sunnehof, bevor er Vereinspräsident des VMB wurde. Seine Hobbies sind Musizieren, Kochen, Wandern und Lesen. Er ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter.