In Driefontein in Simbabwe findet die erste Ausbildungsphase für die Kandidaten zum missionarischen Leben innerhalb der SMB statt, die Gemeinschaftserfahrung (Community Experience) genannt wird. Wie der Name sagt, geht es dabei um eine Einführung in das gemeinschaftliche Leben. Die Kandidaten werden von einem Team aus drei Ausbildnern begleitet, aber auch von den Verantwortlichen der verschiedenen Arbeitsbereiche des Hauses: Wäscherei, Küche, Unterhalt, Krankenstation usw. Evangelista Zireva ist für die Wäscherei verantwortlich und nimmt innerhalb des Ausbildungsprogramms einen ganz besonderen Platz ein. In einem Interview, das der Novizenmeister in Driefontein, Mathew Madziva, mit ihr geführt hat, möchten wir Sie einladen, sie näher kennenzulernen.
Autoren: Mathew Madziva / Igor Kopeykin
Mathew Madziva: Evangelista, Ihre Präsenz im Gebet und Ihre Nähe zu den Kandidaten fallen sofort auf. Sie sind jeden Tag da – sowohl in der Eucharistie als auch in der alltäglichen Arbeit. Können Sie uns Ihren Werdegang erzählen?
Evangelista Zireva: Ich heisse Evangelista Zireva, und die Kandidaten nennen mich «Mama». Ich bin in einer katholischen Familie geboren, in einer Region, in der die methodistische Kirche sehr präsent ist. Doch schon seit meiner Kindheit gehörten die Missionare von Bethlehem zu unserem Leben. Ihr Gebet, ihre Einfachheit und ihre Nähe haben mich tief geprägt.
Ich habe verschiedene Ausbildungen absolviert und lange Zeit in Driefontein gearbeitet. Die Spiritualität von Bethlehem hat meinen inneren Weg geprägt. Ich bin sogar bei den Schwestern vom Heiligen Kind Jesus (SJI), die vom SMB-Bischof Alois Häne gegründet wurden, Ordensfrau geworden. Auch wenn der Herr mich später auf einen anderen Weg geführt hat, hat mich dieser Geist nie verlassen. Als alleinerziehende Mutter habe ich ausserdem wertvolle Unterstützung von mehreren SMB-Patres erhalten, besonders von Pius Bättig und Joseph Elsener, die mir mit grosser Fürsorge geholfen haben, die gesamte Schulbildung meines Sohnes – von der Grundschule bis zur Universität – zu ermöglichen. Heute danke ich Gott für diesen ganzen Weg: Ich bin eine dankbare Mutter und eine glückliche Grossmutter.
Was schätzen Sie besonders an diesem Ort?
Es ist ein friedlicher Ort, der zum Gebet einlädt. Die Ankunft der SMB-Kandidaten erfüllt uns mit grosser Freude, denn wir haben immer den Wunsch gehabt, dass die SMB das Werk Gottes im Dienst der Ärmsten weiterführt. Mit ihnen habe ich echte Gebetsgefährten gefunden. Am Morgen vor der Arbeit und am Abend danach kommen wir vor Gott zusammen. Diese Treue ermutigt mich sehr.
Ihr Gebet scheint tief in der Dankbarkeit verwurzelt zu sein. Wie leben Sie das?
Mein Gebet ist vor allem ein Dank. Ich danke Gott für all die Menschen, die er auf meinen Weg gestellt hat. Ich bete jeden Tag für sie, und die Kandidaten gehören ganz selbstverständlich zu diesem Gebet. Es hat mich sehr bewegt, als ich die erste Gruppe hier in Driefontein ihre zeitlichen Versprechen ablegen sah.

Evangelista mit dem Kandidaten Arulpragash Anton. Evangelista Zireva's Aufgabe besteht darin, mit den Kandidaten zu beten und ihnen zu helfen, selbständig zu werden. Sie wird von den Kandidaten liebevoll «Mama» genannt.
Was ist Ihrer Meinung nach Ihre Aufgabe in ihrer Ausbildung?
Für mich besteht meine Aufgabe in der Ausbildung der SMB-Kandidaten zuerst darin, eine Mutter für diese jungen Menschen zu sein. Ich bete mit ihnen, und ich versuche ihnen ein Beispiel zu geben, besonders durch meine Pünktlichkeit zum Gebet. Ich möchte ihnen helfen, ihre Berufung zu lieben und die Unterweisung ihrer Ausbilder zu schätzen. Ich möchte auch, dass sie selbständig werden. Das bedeutet, mit den eigenen Händen arbeiten zu lernen.
Früher hatten hier der verstorbene Bruder Linus – Gott schenke ihm den ewigen Frieden – und auch Bruder Herman eine Schneiderei. Deshalb gebe ich weiter, was sie selbst getan haben: Ich bringe ihnen das Nähen und Flicken bei, den Umgang mit den Maschinen und deren Pflege. Ich lehre sie, richtig zu waschen, die Waschmaschine zu benutzen und zu warten. Ich helfe ihnen, ihre Kleidung auszubessern, denn sie wissen, dass ich es nicht mag, wenn jemand mit zerrissenen Kleidern herumläuft. Sie kennen mich gut! Ich helfe ihnen auch, ein hohes Mass an Sauberkeit zu halten. Ich möchte, dass sie sich daran gewöhnen, an einem gepflegten Ort zu leben, denn sie sind die Priester von morgen. Gemeinsam achte ich mit ihnen darauf, dass das Haus stets sauber bleibt. Ich versuche ihnen auch den Geist von Bethlehem weiterzugeben: das Gebet, das Teilen, die Einheit, die Freude und die Einfachheit. Ich spreche oft darüber, wenn ich ihnen bei der liturgischen Vorbereitung helfe: den Altar zu schmücken, Blumen zu arrangieren, die Kelche zu reinigen, die Messe aufmerksam mitzuverfolgen. Ich sage ihnen, dass die Eucharistie der Höhepunkt des Gebets in unserer katholischen Kirche ist. Sie sind sehr lernbegierig, und ich fühle mich wirklich respektiert und geschätzt. Sie nehmen die Ratschläge gerne an.
Möchten Sie noch etwas hinzufügen?
Für mich ist diese Arbeit mehr als eine Aufgabe – sie ist eine Verantwortung, fast eine Berufung. Diese jungen Männer kommen von weit her und sind fern von ihren Familien. Es ist für mich selbstverständlich, eine mütterliche Präsenz zu sein. Mein grösstes Glück ist es zu sehen, wie die SMB-Brüderlichkeit durch sie neu auflebt und wächst. Hier kann ich Gott und der Kirche auf meine Weise dienen, demütig. Dieses Haus ist mein Zuhause.
Die heute noch anwesenden SMB-Missionare sind betagt. Manche fragen sich, ob es nicht an der Zeit wäre, diese Präsenz zu beenden. Teilen Sie diese Einschätzung?
Der Mangel an Berufungen betrifft alle Ordensgemeinschaften. Die Zahl der Ordensleute nimmt überall ab – auch im Dominikanerorden, dem ich selbst angehöre. Von aussen betrachtet könnte man meinen, dass das Engagement der sogenannten «Schweizer Patres», wie man sie hier nennt, seinem Ende entgegengeht. Doch ein Rückgang der Berufungen bedeutet nicht, dass ein Charisma nicht mehr gebraucht wird. Ein Charisma ist eine Gabe Gottes, die als Antwort auf einen konkreten Bedarf geschenkt wird. Meiner Ansicht nach sollte die entscheidende Frage daher nicht lauten: Müssen wir schliessen? Sondern vielmehr: Werden wir noch gebraucht? Die Antwort darauf ist ganz klar: ja. Die missionarische Präsenz ist in unserem Erzbistum weiterhin dringend notwendig. In diesem Jahr etwa gibt es drei Pfarreien, die keinen Priester mehr haben.
Seit 2023 ist die Gemeinschaft der «Schweizer Patres» international geworden, unter anderem mit Berufungen aus Afrika. Wären Sie bereit, SMB-Missionare afrikanischer Herkunft in Ihrem Erzbistum aufzunehmen?
Selbstverständlich, unser Erzbistum ist sehr offen. Die Missionare der Consolata sind bei uns präsent, und die meisten von ihnen stammen aus Afrika. Ihre Anwesenheit ist für uns eine grosse Bereicherung. Etwa 23 % unserer Diözesanen sind afro-kolumbianischer Herkunft. Wir möchten die pastorale Arbeit für diese Gemeinschaft weiter ausbauen. Die Präsenz neuer SMB-Mitglieder aus Afrika wäre daher mehr als willkommen.
Kennen Sie die Schweiz, das Herkunftsland vieler SMB-Missionare?
Ja, ich hatte zweimal die Gelegenheit, in der Schweiz Ski zu fahren. In meiner Jugend arbeitete ich in Deutschland bei Mercedes-Benz und wohnte bei einer Familie, die ein Chalet in Disentis besass. Dort konnte ich sie begleiten und dem Skifahren nachgehen. Ich hoffe, eines Tages wieder in die Schweiz zurückkehren zu können, um die Heimat von Chepe (Josef Schönenberger), Aepe (Ernstpeter Heiniger) und unseres verstorbenen Mitbruders Alfredo (Alfred Wey) zu besuchen.
