MISAL 2026 in Uganda – Missionsaustausch, Pilgerreise der Erinnerung, und ökumenisches Zeugnis

Vom 13. bis 17. April 2026 fand in Kampala, Uganda, das internationale MISAL-Treffen statt, an dem die SMB neben den anderen Mitgliedsgesellschaften teilnahm.

Autor Igor Kopeykin – 30.05.2026

Wie in den vergangenen Jahren brachte das Treffen Generaloberen, Mitglieder der Generalräte und delegierte Vertreter der zu MISAL (Missionary Societies of Apostolic Life, Missionsgesellschaften Apostolischen Lebens) gehörenden Missionsgesellschaften zusammen. Diesmal waren 35 Teilnehmer anwesend, die 20 Gesellschaften von MISAL vertraten. Die auf der Versammlung vertretenen Gesellschaften waren die Gesellschaft der Pariser Auslandsmissionen (MEP), das Päpstliche Institut für Auslandsmissionen (PIME), die Gesellschaft der Afrikamissionen (SMA), die Missionare von Afrika (Weisse Väter), die Maryknoll-Missionare, die Missionsgesellschaft des Heiligen Columban, das Spanische Institut für Auslandsmissionen (IEME), die Gesellschaft für Auslandsmissionen von Quebec (PME), die Bethlehem-Missionsgesellschaft (SMB), die Yarumal-Gesellschaft für Auslandsmissionen (MXY), die Boa-Nova-Missionsgesellschaft (SMP), die St.-Patrick-Missionsgesellschaft (SPS), die Guadalupe-Missionare (MG), die Gesellschaft der Priester des Heiligen Jakobus (PSJ), die Missionsgesellschaft der Philippinen (MSP), die Missionsgesellschaft des Heiligen Apostels Thomas (MST), die Koreanische Missionsgesellschaft (KMS), die Thailändische Missionsgesellschaft (TMS), die Missionare der Unbefleckten Maria (MMI) und die Pilar-Gesellschaft (SFX). Die Missionsgesellschaft Bethlehem SMB wurde durch Pater Ludovic Nobel, Generaloberer, und Igor Kopeykin, Assistent des Generaloberen, vertreten.

An dem Treffen nahm auch Pater Anton Paul Padinjarathala teil, Vertreter des Dikasteriums für Evangelisierung, unter dessen Aufsicht die MISAL-Mitgliedsgesellschaften ihren Dienst in der Kirche ausüben.

Ausgerichtet von den Missionaren von Afrika in Uganda

Gemäss dem Rhythmus der MISAL wechselt das Sekretariat alle zwei Jahre zu dem Missionswerk, das die nächste interkontinentale Versammlung ausrichtet. Für diesen Zyklus übernahmen die Missionare von Afrika diese Verantwortung. Ihre Wahl fiel symbolträchtig auf Uganda. Ihre eigene Missionsgeschichte ist eng mit den Anfängen der Evangelisierung in diesem Land verbunden, insbesondere durch Pater Simeon Lourdel M.Afr., der als «Apostel von Uganda» in Erinnerung geblieben ist. Dieses Gründungsvermächtnis gehört nicht nur der Vergangenheit an: Die Missionare von Afrika sind auch heute noch durch ihren pastoralen sowie Ausbildungs- und missionarischen Dienst in der Ortskirche in Uganda stark vertreten.

In seiner Eröffnungsansprache betonte Pater Stanley Lubungo, Generaloberer der Missionare von Afrika, dass die Anwesenheit von MISAL in Uganda von grosser Bedeutung sei. Er wies darauf hin, dass die Zusammenkunft in Kampala mehr als nur ein Treffen sei: «Wir halten nicht nur ein Treffen ab, wir unternehmen eine Pilgerreise.» Indem sie die ugandischen Märtyrer in den Mittelpunkt stellten, hoben die Gastgeber ein missionarisches Erbe hervor, das von Opferbereitschaft, Mut und Treue geprägt ist.

Die MISAL-2026-Tagung fand im Lourdel House in Nsambya, Kampala, dem Provinzhaus der Missionare von Afrika in Uganda, statt. Die wichtigsten Arbeitssitzungen wurden im Sekretariat der Vereinigung der Ordensleute in Uganda (ARU) abgehalten, das sich ebenfalls in Nsambya, Kampala, befindet.

Aus diesem Grund verband die MISAL 2026 zwei Dimensionen: Zum einen Vorträge, Konferenzen, Zeugnisse und den institutionellen Austausch; zum anderen Besuche und Gebete an Orten, die mit den ugandischen Märtyrern sowie mit der historischen und bis heute andauernden missionarischen Präsenz der Missionare von Afrika im Land verbunden sind. Dies verlieh der Versammlung nicht nur einen Arbeitsrahmen, sondern auch eine klare spirituelle, missionarische und kulturelle Tiefe.

Arbeitssitzungen und gemeinsame Reflexion

Die erste Dimension bildete den intellektuellen und missionarischen Rahmen der Tagung. Am Dienstag, dem 14. April, reflektierten die Teilnehmer über die Geschichte des Glaubens in Uganda und über den historischen Kontext der Evangelisierung, wobei Pater Richard Nnyombi M.Afr. und Msgr. Laurence Ssemusu Beiträge lieferten. In seinem Vortrag über das Vermächtnis der ugandischen Märtyrer betonte Msgr. Ssemusu, dass ihr Zeugnis nicht bloss ein Kapitel der Geschichte sei, sondern eine lebendige Kraft in der Kirche von Uganda und darüber hinaus. Er stellte ihr Vermächtnis als einen «Einfluss, der sich weigert zu sterben» dar, der durch mehrere beständige Merkmale gekennzeichnet ist: den Vorrang Gottes vor jeder irdischen Autorität, den durch Leiden bewiesenen Glauben, moralischen Mut, und die Fähigkeit, andere selbst angesichts des Todes zu prägen. Er hob zudem die weitreichende kirchliche Wirkung ihres Zeugnisses hervor: die Stärkung einer lebendigen afrikanischen Kirche, die internationale Anerkennung afrikanischer Heiligkeit, die ökumenische Bedeutung des gemeinsamen Sterbens von Katholiken und Anglikanern, sowie die fortbestehende Pilgerkultur, die ihr Andenken in Namugongo lebendig hält. Indem er sich direkt an die Oberen wandte, ging er von der Bewunderung zur Verantwortung über und forderte die Leiter der Missionswerke auf, Männer und Frauen mit Überzeugung statt blosser Funktionäre auszubilden, Kompromissen zu widerstehen und eher im Sinne eines Vermächtnisses als im Sinne einer Amtszeit zu führen. In dieser Perspektive wurden die Märtyrer nicht nur als Gestalten dargestellt, an die man sich erinnern sollte, sondern als ein fortwährender Aufruf zu einem treuen, mutigen und missionarischen christlichen Leben heute. Auf diese Beiträge folgten Zeugnisse.

Am Donnerstag, dem 16. April, konzentrierte sich das Programm stärker auf das gegenwärtige Leben und die Leitung der MISAL-Gemeinschaften. Pater Anton Paul Padinjarathala, Vertreter des Dikasteriums für Evangelisierung, leistete einen praktischen Beitrag aus der Perspektive des Heiligen Stuhls. Sein Beitrag befasste sich mit konkreten Fragen der Leitung in Gemeinschaften apostolischen Lebens, insbesondere in Fällen, die ein klares kanonisches Vorgehen und umsichtige Führung erfordern. Zu den von ihm angesprochenen Punkten gehörten die rechtliche Handhabung der automatischen Entlassung, Untersuchungen bei schwerwiegenden Vorwürfen, die Befreiung von klerikalen Pflichten, die Inkardination, Rechtsmittel gegen Dekrete, die Möglichkeit nicht-klerikaler Oberer unter bestimmten Bedingungen, die Veräusserung kirchlicher Güter sowie die Suspendierung eines Klerikers. Er unterstrich zudem die Rolle des Dikasteriums bei der Bestätigung oder Genehmigung bestimmter Entscheidungen, die über die Zuständigkeit der Gemeinschaften selbst hinausgehen.

Anschliessend folgten Berichte und Präsentationen der Institute. Unter diesen Beiträgen stellte die Gesellschaft der Auslandsmissionen von Paris (MEP) zwei aktuelle Initiativen im Bereich der missionarischen Kommunikation vor. Die erste war der Dokumentarfilm «Baroudeurs du Christ» unter der Regie von Damien Boyer, der im November 2025 erschien. Der Film bietet ein zeitgenössisches Porträt des missionarischen Lebens in Asien und im Indischen Ozean, und die MEP-Delegation hob die positive Resonanz sowohl im französischsprachigen als auch im englischsprachigen Raum hervor. Die MEP stellte zudem «AD EXTRA» vor, ihre aktuelle externe Informationsplattform, die sich Nachrichten, Analysen und dem Dialog rund um die Mission in Asien widmet. Diese Plattform stellt eine neu gestaltete Form der früheren Kommunikationsbemühungen der Gesellschaft dar, insbesondere jener, die zuvor mit «Églises d’Asie» verbunden waren. Diese Präsentationen fügten sich gut in das übergeordnete Ziel des Tages ein: Nicht nur institutionelle Neuigkeiten auszutauschen, sondern auch praktische Wege der Zusammenarbeit zu identifizieren, unter anderem in den Bereichen Kommunikation, Sichtbarkeit der Mission und Austausch von Ressourcen zwischen den Gesellschaften.

Kultur und Gemeinschaft erleben

Die Missionsgesellschaft Bethlehem (SMB) stellte ihr aktuelles Missionsprofil vor, das eine heutige Präsenz in Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika zeigt. Die Präsentation erinnerte kurz an die Ursprünge der Gesellschaft in der Schweiz, ihre Entwicklung von Missionsgebieten hin zu Missionsprojekten sowie an ihre in der Menschwerdung verwurzelte Spiritualität, die von Einfachheit, Kindlichkeit, Gemeinschaft, Solidarität und missionarischer Präsenz geprägt ist. Besondere Aufmerksamkeit galt der gegenwärtigen Phase der Gesellschaft: Seit dem Generalkapitel 2023 ist die SMB in eine neue Phase der Internationalisierung eingetreten, nimmt Kandidatinnen und Kandidaten von ausserhalb der Schweiz auf und entwickelt einen zehnjährigen missionarischen Ausbildungsprozess mit Schwerpunkt in Simbabwe, wobei weitere Ausbildungsstufen und missionarische Erfahrungen in Zusammenarbeit mit anderen Instituten stattfinden. In der Präsentation wurden auch einige der aktuellen konkreten Standorte der Gesellschaft hervorgehoben, darunter das Mutterhaus in Immensee, das Ausbildungszentrum für das missionarische Leben in Torry sowie die fortgesetzte Mission in Taiwan und Kolumbien.

Anschliessend folgte eine Generalversammlung, die sich mit möglichen Bereichen der Zusammenarbeit und der Wahl des nächsten Gastgebers für das interkontinentale MISAL-Treffen befasste. Die nächste interkontinentale MISAL-Versammlung wird vom 24. bis 28. April 2028 in Kolumbien stattfinden. Die Einladung erging von Yarumal, das gleichzeitig das hundertjährige Jubiläum der Gründung der Gesellschaft feiern wird.

Die Dimension der Pilgerreise

Die zweite wichtige Dimension der Zusammenkunft war die Pilgerreise selbst. Die Organisatoren verankerten das Treffen bewusst in der Geschichte der ugandischen Märtyrer, sowohl der katholischen als auch der protestantischen, wodurch die Begegnung auch einen ökumenischen Charakter erhielt und die Reflexion über die Mission mit Orten verbunden wurde, an denen das Evangelium angenommen, auf die Probe gestellt und unter Einsatz des eigenen Lebens bezeugt wurde.

Die Pilgerreise begann am Dienstagabend mit dem Besuch der Minorbasilika von Munyonyo, wo die Teilnehmer die Eucharistie feierten. Dieser Ort ist von besonderer Bedeutung, da sich hier, in der Nähe des königlichen Hofes von Buganda, das Drama der Märtyrer zu entfalten begann. Aus dieser Welt des Hoflebens, der Treue und der Macht wurden die jungen königlichen Pagen verschleppt und auf die Probe gestellt, weil sie in Jesus einen anderen König erkannt hatten, einen, der über dem irdischen Herrscher stand. Der Besuch und die Messe in Munyonyo stellten die Versammlung somit unmittelbar vor die zentrale Frage des christlichen Zeugnisses.

Am Mittwoch, dem 15. April, besuchten die Teilnehmer zunächst die Kirche Nabulagala Mapeera, einen der Gründungsorte der katholischen Geschichte in Uganda. Dort wurden sie in die Geschichte der ersten katholischen Mission, die frühe Präsenz der Missionare in Afrika sowie die Geschichte des dort errichteten ersten Missionshauses und der Kirche eingeführt. Der Besuch umfasste auch die St.-Mary-Kathedrale in Lubaga, die nach wie vor eines der wichtigsten katholischen Zentren des Landes und ein sichtbares Zeichen für das Wachstum der Ortskirche von den missionarischen Anfängen hin zu einem fest verwurzelten kirchlichen Leben ist.

Die Pilgerreise führte anschliessend weiter zu den Königlichen Gräbern von Kasubi, einer UNESCO-Welterbestätte, die das königliche Erbe von Buganda bewahrt. Dieser Zwischenstopp trug dazu bei, die Geschichte der Evangelisierung in den grösseren kulturellen, politischen und spirituellen Kontext des Königreichs einzuordnen, in das der christliche Glaube erstmals Einzug hielt.

Ein zentraler Moment des Tages war der Besuch in Namugongo, der Hauptbasilika der Ugandischen Märtyrer, wo die Teilnehmer Erzbischof Paul Ssemogerere trafen und mit ihm die Eucharistie konzelebrierten. In seiner Ansprache hiess der Erzbischof MISAL in Uganda als «Land der Märtyrer und Perle Afrikas» willkommen und dankte den Missionsgesellschaften, deren Vorgänger das «Licht Christi» in das Land gebracht hatten. Unter Bezugnahme auf das Zeugnis der Märtyrer betonte er die Bedeutung des Gedächtnisses und des Gedenkens und warnte davor, das, was im Glauben überliefert wurde, als selbstverständlich hinzunehmen. Er erinnerte auch daran, wie es der jungen christlichen Gemeinde – unter der Führung künftiger Märtyrer und einheimischer Führungskräfte – nach dem vorübergehenden Weggang der Pioniermissionare im Jahr 1882 gelang, den Glauben nicht nur zu bewahren, sondern auch weiter zu wachsen. Für ihn zeigte dies, wie der Heilige Geist bereits sowohl in der Mission ad intra als auch in der Mission ad gentes am Werk war, ja sogar in einer frühen Form dessen, was er als «Ökumene des Blutes» bezeichnete.

In Namugongo hörten die Teilnehmer zudem die Botschaft von Pater Vincent Lubega M.Afr., dem Rektor der Wallfahrtspfarrei. Er hob die aussergewöhnliche Lebendigkeit dieses Wallfahrtsortes hervor, der jedes Jahr eine grosse Zahl von Pilgern empfängt; der Höhepunkt ist um den 3. Juni, wenn sich dort etwa eine Million Pilger versammeln, von denen viele tagelang oder sogar eine ganze Woche vor Ort bleiben. Er beschrieb dieses «Namugongo-Phänomen» als lebendigen Beweis dafür, dass «das Blut der Märtyrer der Same des Christentums ist». Für ihn ist das anhaltende Wachstum des Christentums in Uganda keine abstrakte Theorie, sondern eine sichtbare Realität, die im Zeugnis der Märtyrer verwurzelt ist. Er lud die MISAL-Teilnehmer ein, «den Glauben der Märtyrer» mit nach Hause zu nehmen – einen Glauben, dessen Kraft grösser ist als die Angst.

Die ökumenische Dimension des Tages wurde durch den Besuch in Nakiyanja, der mit den ugandischen Märtyrern verbundenen anglikanischen Stätte, sowie durch den Besuch ihres Museums und der Gedenkstätte verstärkt. Da die Märtyrer teils katholisch und teils protestantisch waren, gehört ihr Zeugnis nicht nur einer Konfession an, sondern dem gemeinsamen christlichen Gedächtnis Ugandas.

Der Tag endete mit einem Kulturabend und einem Abendessen in Ndele, was der Versammlung eine wichtige lokale, kulturelle und menschliche Dimension verlieh. Auf diese Weise war der ugandische Kontext nicht bloss Kulisse des Treffens.

Durch die Märtyrer, die königliche Geschichte Bugandas, das missionarische Erbe der Missionare von Afrika, das ökumenische Zeugnis des gemeinsamen Martyriums und die lebendige Pilgerkultur von Namugongo wurden die Teilnehmer dazu eingeladen, zu erkennen, wie Mission, Erinnerung, Zeugnis und Kultur im heutigen Leben der Kirche eng miteinander verbunden bleiben.

Das Christentum in Uganda: Historischer Kontext und katholische Missionspräsenz

Die Geschichte des Christentums in Uganda ist eng mit dem Königreich Buganda und einem entscheidenden Moment im Jahr 1875 verbunden. Am 14. April jenes Jahres schrieb Kabaka Muteesa I. an Königin Victoria und bat darum, dass «Religionslehrer» und andere Fachkräfte in sein Königreich entsandt würden. Am selben Tag appellierte auch Sir Henry Morton Stanley öffentlich an Missionare, nach Uganda zu kommen. Diese beiden Briefe schlugen ein neues Kapitel in der Religionsgeschichte der Region auf und markierten den Beginn einer missionarischen Präsenz, die nachhaltige Auswirkungen auf die Kirche in Uganda haben sollte.

Die ersten Missionare, die diesem Aufruf folgten, waren die Anglikaner der Church Missionary Society, die 1877 eintrafen. Die ersten katholischen Missionare, die Missionare von Afrika (Weisse Väter), kamen 1879 an. Ihre Ankunft ist in besonderer Weise mit Pater Simeon Lourdel verbunden, der vor Ort als Mapeera bekannt war und oft als «Apostel von Uganda» bezeichnet wird. Sein Name nimmt nach wie vor einen zentralen Platz in der Erinnerung an die Anfänge der katholischen Evangelisierung des Landes ein. Bevor er nach Äquatorialafrika aufbrach, verfasste Lourdel am 15. April 1878 sein geistliches Testament, in dem er seine Bereitschaft zum Ausdruck brachte, sein Leben ganz der Mission zu widmen. Dieser missionarische Geist der völligen Verfügbarkeit und Aufopferung sollte die katholische Präsenz in Uganda von Anfang an tief prägen.

Die ersten Jahre der Evangelisierung spielten sich in einem politisch und religiös komplexen Umfeld ab. Der Islam war am Hofe von Muteesa I. bereits präsent, und das Christentum trat in einen Kontext ein, der von traditioneller Religion, königlicher Politik und dem Wettstreit zwischen konfessionellen Einflüssen geprägt war. Dennoch entwickelte sich die missionarische Präsenz rasch. Die katholische Mission beschränkte sich nicht auf die Verkündigung: Von Anfang an verband sie Katechese, sakramentales Leben, Bildung, praktische Ausbildung und ein sichtbares Engagement für den Aufbau lokaler Gemeinschaften.

Einer der prägenden Momente in der Geschichte des Christentums in Uganda war das Martyrium junger Konvertiten und Hofbeamter unter Kabaka Mwanga in den 1880er Jahren. Die ugandischen Märtyrer, sowohl Katholiken als auch Protestanten, wurden zu den ersten grossen Früchten der Missionszeit.

Die katholische Mission wurde nach und nach besser strukturiert. Im Jahr 1890 wurde der Lubaga-Hügel den katholischen Missionaren überlassen, und die Missionsstation wurde 1891 dorthin verlegt. Lubaga sollte zu einem der zentralen Orte des katholischen Lebens in Uganda werden. Die frühe Kirche wurde 1892 während des katholisch-protestantischen Konflikts zerstört, doch die katholische Präsenz blieb bestehen und entwickelte sich weiter. Im Jahr 1899 trafen die ersten Ordensfrauen ein: die Missionsschwestern Unserer Lieben Frau von Afrika (Weisse Schwestern). Im selben Jahr gründeten sie das Lubaga-Krankenhaus, das erste katholische Krankenhaus in Uganda. Die katholische Mission breitete sich somit nicht nur durch Predigt und Sakramentendienst aus, sondern auch durch Gesundheitsversorgung, Bildung sowie die Förderung von Frauen und Familien.

Diese Entwicklung setzte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts fort. Das St. Mary’s College, die erste katholische Hochschule im Vikariat der Weissen Väter, wurde 1906 gegründet. Der Bau der heutigen Kathedrale in Lubaga begann 1914, und sie wurde 1925 geweiht. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich die katholische Kirche zu einer der wichtigsten religiösen und sozialen Institutionen des Landes. Der Beitrag der Kirche beschränkte sich nicht auf seelsorgerische Strukturen: Sie spielte auch eine wichtige Rolle in Schulen, Krankenhäusern, Ausbildungszentren sowie bei der Heranbildung des lokalen Klerus und der Führungskräfte.

Ein besonders bedeutendes Zeichen für die Reife der Kirche in Uganda war der Aufstieg afrikanischer Führungskräfte. Erzbischof Joseph Kiwanuka, der 1966 verstarb, gilt als der erste moderne afrikanische katholische Bischof südlich der Sahara. Seine Rolle markierte eine entscheidende Etappe im Übergang von einer von Missionaren gegründeten Kirche zu einer lokal verwurzelten Kirche mit eigenen Seelsorgern und Institutionen. Diese weitreichende kirchliche Bedeutung wurde durch den Besuch von Papst Paul VI. im Jahr 1969 bestätigt, als er in Kampala die SECAM ins Leben rief und sich mit Worten an die Bischöfe Afrikas wandte, die bis heute als Meilenstein in der Geschichte der Kirche auf dem Kontinent in Erinnerung geblieben sind.

Auch heute noch ist das Christentum in Uganda von diesem doppelten Erbe geprägt: den missionarischen Anfängen und dem Zeugnis der Märtyrer. Das katholische Leben im Land lässt sich nicht verstehen, ohne auf Orte wie Lubaga, Munyonyo und Namugongo Bezug zu nehmen, an denen Erinnerung, Liturgie und Mission weiterhin zusammenkommen.