SAGENHAFTER GRILLABEND am 28.08.2026 im Bethlehem

Der Freundschaftskreis SMB und der Siedlungsrat Bethlehem haben zu einem sagenhaften Grillabend eingeladen. Anna Schäli, Co-Leiterin des Freundschaftskreises, konnte 83 Teilnehmende in der grossen Kapelle von Bethlehem sowie die vier Sagenerzähler Sabina Ettlin-Schäli, Joseph Christen SMB, Hildegard Getzmann und Erich von Rotz sowie den Alphornbläser Glais Jakober begrüssen.

veröffentlicht am 01.09.2026

Autorin: Anna Schäli, Co-Leiterin Freundschaftskreis
Fotos: Anna Schäli und Anita Baumgartner

Sagen sind alte, mündlich überlieferte Geschichten. Sie berichten von echten Orten, zum Teil von historischen Personen und wirklichen Ereignissen aus vergangenen Zeiten. Im Verlauf der Zeit wurden diese Geschichten jedoch mit magischen und erfundenen Elementen ausgeschmückt. Diese Geschichten wurden früher von Mensch zu Mensch weitererzählt und erst später aufgeschrieben.

Die Kraftwurzel

Sabina Ettlin nahm uns in ihrer Erzählung mit auf die Risetten-Alp. Ein Senn im Entlebuch gewährte einem Fremden für zwei Wochen kostenlos Unterkunft auf seiner Alp. Aus Dankbarkeit bot der Fremde dem Sohn des Senns drei besondere Fähigkeiten zur Auswahl an: Musik, Glück im Spiel oder grosse Kraft. Der Geissenbub entschied sich für die Kraft und erhielt dafür eine geheimnisvolle Wurzel. Wenn er morgens dreimal hineinbeisse, so verleihe sie ihm für den ganzen Tag aussergewöhnliche Stärke, sagte der Fremde.

Der Junge probierte die Wurzel aus und stellte fest, dass sie tatsächlich wirkte. Daraufhin begann der schmächtige Bub, gegen starke Schwinger anzutreten, und besiegte einen nach dem anderen. Schon bald wurde er Schwingerkönig des Entlebuchs. Beim grossen Älplerkirchweihfest traten die Entlebucher gegen besonders starke und gefürchtete Schwinger aus dem Berner Oberland an. Nachdem die Entlebucher zunächst alle Gänge verloren hatten, schickten sie als letzte Hoffnung den Geissenbuben in den Kampf. Obwohl die Berner ihn wegen seiner geringen Grösse verspotteten, besiegte er sogar ihren stärksten Schwinger. Von diesem Tag an galt der Geissenbub als der stärkste Mann im Land.

Sabina Ettlin-Schäli beim Erzählen der ersten Sage «Die Kraftwurzel».

Der Spyssgeischt vom Buochserhorn

Josef Christen SMB stieg mit uns zum Buochserhorn. Auf den beiden Spyss-Alpen am Nordhang des Buochserhorns soll einst ein unheimlicher Geist sein Unwesen getrieben haben. Die Sage erzählt von einem spöttischen Zusenn auf der Alp Spyss, der immer wieder mit geheimnisvollen und beängstigenden Erscheinungen konfrontiert wurde.

Der Spuk wurde schliesslich so schlimm, dass ein Pfarrer zu Hilfe gerufen wurde. Mit Weihwasser und Bannsprüchen gelang es diesem, den Spyssgeischt zu vertreiben und ihn in die Felsspalten des Buochserhorns zu verbannen. Das Unrecht mit den Marchsteinen wurde behoben und die Krankheiten blieben fern.

Die Geschichte vom Spyssgeischt blieb jedoch in Beckenried und rund um das Buochserhorn lebendig und gehört bis heute zu den regionalen Sagen über Geister und unerklärliche Erscheinungen in der Bergwelt.

Josef Christen SMB beim Erzählen der Sage vom «Spyssgeischt vom Buochserhorn».

Die dankbaren Toten von Ingenbohl

Ein junger «Chilter» ging jeden Abend über den Friedhof von Ingenbohl zu seiner Liebsten, so erzählte Hildegard Getzmann. Dabei nahm er sich immer Zeit, um für die Verstorbenen einige Vaterunser zu beten. Anschliessend zog er fröhlich und jauchzend weiter.

Dem Pfarrer gefiel dieses laute Jauchzen auf dem Gottesacker jedoch überhaupt nicht. Gemeinsam mit dem Sigristen und einigen starken Männern versuchte er, den jungen Mann daran zu hindern. Doch auf wundersame Weise griffen die dankbaren Toten ein und sorgten dafür, dass der «Chilter» seinen Weg weiterhin ungestört und jauchzend gehen konnte. Damit dankten sie ihm für seine regelmässigen Gebete.

Die Sage beruht auf der alten christlichen Vorstellung, dass die Gebete der Lebenden den «Armen Seelen» im Fegefeuer helfen. Als Dank dafür beschützen die Verstorbenen wiederum die Lebenden.

Hildegard Getzmann erzählte die Sage von den dankbaren Toten von Ingenbohl.

Der starke Rotzer

Mit ausgeprägtem Obwaldner Dialekt schilderte Erich von Rotz die Sage vom starken Rotzer, der vor vielen hundert Jahren im Melchtal lebte. Er wünschte sich schon als junger Mann, aussergewöhnlich stark zu sein. Dafür verschrieb er dem Teufel seine Seele und erhielt im Gegenzug übermenschliche Kräfte. Bald war er als stärkster Mann und bester Schwinger weit und breit bekannt.

Seine Kraft zeigte sich in zahlreichen Geschichten. Während andere Männer Mühe hatten, ein einzelnes Salzfass von Sarnen ins Melchtal zu tragen, trug Rotzer gleich zwei. Besonders berühmt wurde er beim Transport der riesigen Marmorblöcke aus dem Melchtal nach Sachseln, aus denen später Säulen für die Kirche gefertigt wurden. Wo sonst zahlreiche Männer benötigt wurden, schaffte Rotzer dies allein.

Obwohl er seine Kraft vom Teufel erhalten hatte und sie teilweise zu seinem eigenen Vorteil nutzte, tat er auch Gutes: Er stellte Land für eine Kapelle zur Verfügung. Deshalb wurde seine Seele nach seinem Tod nicht vollständig verdammt. Stattdessen muss er bis zum Jüngsten Tag als «Chlyschtermann» durch die Alpen wandern. Sein Erscheinen soll schlechtes Wetter, Hagel oder Schnee ankündigen.

Hinter der Sage steht die historische Person Hans von Rotz. Er lebte im 17. Jahrhundert, war Ratsherr und starb im Jahr 1700.

Den Abschluss machte Erich von Rotz mit der Sage «Der starke Rotzer».

Glais Jakober umrahmte die vier Sagen musikalisch mit passenden Alphornklängen. Die vier Erzählungen und die Alphorn-Beiträge wurden mit grossem Applaus verdankt.

Im Namen der Missionsgesellschaft Bethlehem lud SMB-Mitglied und Generalvikar Emilio Näf die Teilnehmenden zum Apéro und zur anschliessenden Grillade ein. Der freundschaftliche Austausch zwischen SMB-Mitgliedern, Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung Im Bethlehem und Mitgliedern des Freundschaftskreises endete in froher Runde.

Glais Jakober umrahmte die vier Sagen musikalisch mit passenden Alphornklängen.
Die vier Erzählungen und die Beiträge mit dem Alphorn wurden mit grossem Applaus bedacht. Die Sagen wurden in der Hauptkapelle des Missionshauses Bethlehem vorgetragen.
Anna Schäli, Co-Leiterin des Freundschaftskreises der SMB bespricht mit Emilio Näf die Einzelheiten der Veranstaltung.
Anschliessend waren alle Gäste ins Bistro zum Abendessen eingeladen.
Die SMB-Mitglieder waren ebenfalls anwesend.