Thomas Immoos SMB (1918–2001) – reziprokes missionarisches Wirken

In der jährlich erscheinenden Publikation «Schweizerische Zeitschrift für Religions- und Kulturgeschichte» von 2024 kommentiert der Germanist Daniel Annen von Arth das missionarische Wirken von Thomas Immoos SMB in Japan in einem Artikel mit dem bezeichnenden Titel «Reziproke Missionierung – Was der Schwyzer Thomas Immoos im fernen Osten fand».

Autor Josef Meili – 03.06.2026

Der Autor beschreibt detailliert die Herkunft, die Jugend (Gymnasium Immensee) und die theologische Ausbildung (Priesterseminar Schöneck) von Thomas Immoos zum Missionar, die er in einem traditionellen und konservativen katholischen Milieu der Innerschweiz erlebte. «Thomas Immoos wuchs in jener Innerschweiz auf, die stark vom Milieukatholizismus geprägt war. Diesem Katholizismus war Fremdes und Neues nicht geheuer. Die eigene katholische Denk- und Gefühlswelt, sie war ja schliesslich das entscheidende Identitätsmerkmal, dank dem sich Innerschweizer Katholiken von anderen lebensweltlichen Strömungen abgrenzen konnten, vor allem gegen moderne.»

Mit diesem Hintergrund traf Thomas Immoos in Japan auf eine total andere Mentalität. Sein langjähriger Aufenthalt als Professor für deutsche Literatur an der Universität Tokyo wurde immer wieder unterbrochen, teilweise, um ein Doktorat beim Germanisten Emil Staiger in Zürich abzuschliessen, teilweise, um Urlaub in seiner geliebten Innerschweizer Heimat zu machen.

Wäre es für Thomas Immoos nicht naheliegend gewesen, so fragt der Autor, als Missionar in Japan möglichst viele Christen zu gewinnen? Das wäre wohl von ihm erwartet worden; doch dies geschah nicht. Sogar als Missionar in einem fremden Land wie Japan blieb Thomas Immoos ein Forscher, ein fragender Mensch. Annen zitiert dazu aus dem «NZZ»-Nekrolog der Japan-Wissenschaftlerin Stanca Scholz-Cionca: «Thomas Immoos blieb bis zum Ende ein unermüdlicher homo viator auf der Suche nach der Einheit der Gegensätze, ein nach Harmonie Dürstender – aber vor allem ein Fragender, jederzeit bereit, die Autorität des Lehrenden für das Staunen des Lernenden einzutauschen» (S. 46). Anstatt die christliche Religion einzupflanzen, suchte er immer wieder nach dem, was die Religiosität Japans mit dem katholischen Glauben verband. Deshalb kann man sein missionarisches Wirken als reziprok beschreiben. Die traditionelle Innerschweizer Sicht des Christentums von Thomas Immoos und die total andere japanische Sicht der Religionen beeinflussten sich gegenseitig. Seine Forschungsschwerpunkte waren das japanische Kult-Theater, Shintoismus und Buddhismus, in denen er Ähnlichkeiten und Analogien fand, wobei er auf Defizite im christlichen Glauben hinweisen konnte. Hierbei war für ihn C. G. Jungs Theorie der Archetypen sehr hilfreich.

Daniel Annen schliesst seinen Artikel mit der bemerkenswerten Feststellung:
«Der Missionar Thomas Immoos hofft, dass gemäss einer reziproken Missionierung auch die katholische Kirche – institutionell-legalistische Grenzziehungen überschreitend – die japanischen Religionswelten immer besser versteht, ohne die Unterschiede einfach zu verdrängen» (S. 53).

Quellenangabe

Annen Daniel: Reziproke Missionierung – Was der Schwyzer Thomas Immoos im fernen Osten fand. In: Schweizerische Zeitschrift für Religions- und Kulturgeschichte, 2024 (Vol. 118), S. 39–53