Chinesischer Seelsorger reflektiert über seine Teilnahme am Kurs zur kommunikativen Theologie

Im Sommer 2025 nahmen 14 chinesische Seelsorgerinnen und Seelsorgerinnen bei der Missionsgesellschaft Bethlehem in Immensee an einem Workshop zur kommunikativen Theologie teil. Die Weiterbildung wird seit 2008 von Rita Baumann-Chen und Peter Baumann geleitet und von der SMB unterstützt. Es ist bereits der 21. Weiterbildungskurs in Immensee. Ein Teilnehmer berichtet.

29.11.2025

Autor: Pietro

Vom ersten Treffen am Bahnhof bis zum letzten Abend, den wir in festlicher Gemeinschaft verbrachten, hat mich jeder Tag tief berührt, zum Nachdenken angeregt und innerlich erneuert.

Das zentrale Thema des Workshops war die kommunikative Theologie. Dabei wurde betont, dass Gott nicht nur in abstrakten Lehren existiert, sondern in echten Begegnungen, im Dialog und in der Gemeinschaft zwischen Menschen wirklich gegenwärtig wird. Unser Glaube ist nicht bloss die Weitergabe von Wissen oder Katechese, sondern vor allem ein Lebensstil: das Leben, das Zeugnis und die Erfahrung der Liebe Gottes in der Kommunikation zwischen den Menschen.

In der traditionellen theologischen Ausbildung sind wir oft eher passive «Empfänger» von Wissen; im Rahmen der kommunikativen Theologie werden wir jedoch zu «Teilnehmenden» am gemeinsamen Aufbau von Bedeutungen. Durch gegenseitiges Teilen, Zuhören, Resonanzen und Interaktionen haben wir nicht nur einander besser kennengelernt, sondern auch die Gegenwart Gottes tiefer erfahren. Diese Begegnung ist lebendig, real und geschieht fortwährend.

Einige Momente haben sich besonders in mein Gedächtnis eingeprägt. Einer davon war die «Selbstvorstellung mit dem Kristallstein». Jede und jeder nannte reihum den eigenen Namen, die momentane Stimmung und die Gefühle, während der Kristallstein weitergereicht wurde. So schlicht es auch schien, symbolisierte der Stein den inneren Wert eines jeden von uns: eine unsichtbare, aber reale Würde und Heiligkeit. Wenn wir einander mit dem gewählten Namen ansprachen, wurden diese Namen zu Zugängen zur Liebe, zu Ausgangspunkten für den Aufbau unserer Beziehungen. In Spielen und Gruppenaktivitäten, beim gemeinsamen Schreiben von Liedern und beim Erschaffen von Tänzen wuchsen Liebe und Vertrauen langsam, und eine echte, tiefe Verbundenheit entstand auf natürliche Weise unter uns.

Am meisten bewegt hat mich der Moment auf dem Friedhof der SMB-Missionare, als uns Rita und Peter die Geschichte ihrer Mission in China erzählten. Es war das erste Mal, dass ich den Hintergrund der Immenseer Missionare und ihre Spuren auf chinesischem Boden so tief kennenlernte. Sie traten ohne Zögern in das Leben des Volkes ein und säten das Evangelium in ihnen fremden Ländern. Besonders bewegend war für mich der Gedanke, wie jung sie waren, als sie ihre Heimat verliessen, um in die entlegenen Gegenden Nordchinas zu gehen – Orte wie Qiqihar, die damals als Verbannungsgebiete für Gefangene galten. Ich weiss nicht, wie viele Opfer sie dort bringen mussten, aber ich weiss, dass einige von ihnen in unruhigen Zeiten verfolgt, ja sogar erschossen wurden. Besonders die Geschichte von Pater Anton hat sich in mein Herz eingeprägt: Vor seinem Martyrium hob er die Hände, um das Land zu segnen, das er evangelisiert und geliebt hatte. Sie antworteten auf den Ruf mit ihrem Leben, indem sie den Geist des Evangeliums in Taten verkörperten. Diese totale Hingabe brachte mich erneut zum Nachdenken über die Bedeutung des Glaubens: Sind auch wir bereit, unser Leben in der Richtung hinzugeben, in die der Herr uns ruft? Vor jenen Gräbern habe ich aufrichtig gehofft, dass die Immenseer Missionare ihre Mission fortsetzen können, besonders in China, einem Land, das weiterhin Glauben und evangelische Nahrung braucht. Ihr Zeugnis hat mich überzeugt, dass die Samen der Liebe auch in Schwierigkeiten weiterhin Wurzeln schlagen und aufkeimen werden.

Der Aufenthalt im Missionshaus Bethlehem liess mich auch das Charisma und den Lebensstil ihrer Gemeinschaft neu begreifen. Anders als andere Ordensgemeinschaften mit komplexen Regeln sind ihre Regeln einfach, aber voller Weisheit und Kraft. Sie betonen: mit kindlichem Geist zu leben, Gott mit Einfachheit zu vertrauen; in schlichter Lebensweise zu lieben und zu dienen; mit einem Geist der Hingabe in andere Kulturen einzutreten, um Teil von ihnen zu werden; das Evangelium vor allem durch Taten zu verkünden, die oft beredter sind als Worte; jede Person zu respektieren und so ein Klima der Vergebung und des Vertrauens zu schaffen; Solidarität und gegenseitige Hilfe zu leben, gemeinsam mit allen unterwegs zu sein. Diese Prinzipien sind nicht nur Regeln für die Mitglieder des Ordens, sondern eine echte Antwort auf den Geist des Evangeliums. Sie erinnern mich daran, dass Evangelisierung nicht davon abhängt, wie viel wir sagen, sondern davon, wie wir die Liebe und Gegenwart Gottes wirklich leben.

Der gesamte Weg des Workshops war für mich nicht nur eine Gelegenheit zum Lernen, sondern vor allem eine Erneuerung des Lebens. Im gegenseitigen Zuhören habe ich mich selbst besser kennengelernt und die anderen besser verstanden; in den Begegnungen habe ich die zarte und liebevolle Gegenwart Gottes gespürt.

Mit tiefer Dankbarkeit möchte ich diese Erfahrung in eine tägliche Kraft verwandeln, damit der Geist der kommunikativen Theologie nicht auf einen Workshop beschränkt bleibt, sondern in meinem Studium, in meinem Dienst, in der Pastoral und in jeder Beziehung meines Lebens weiterwirkt. Möge auch ich – wie jene SMB-Missionare – mit meinem Leben auf die Liebe und den Ruf antworten und zu einem Werkzeug des Friedens und der Hoffnung werden.

Der Leiter des Museums, Li Yu-fen, durfte am 21. März eine grosse Zahl von Gästen aus ganz Taiwan begrüssen. Neben dem Chargé d’Affaires (Nuntius), Mons. Stefano Mazzotti, dem Bischof von Hualien/Taitung, Mons. Philip Huang Chau-Ming, waren Professoren für Architektur von der Dong-Hai-Universität in Taichung, Architekten, Baumeister und Vertreter verschiedener Pfarrgemeinden und Institutionen anwesend, denen Julius Felder Gebäude gezeichnet hatte.

Der Vice-Kulturminister, Hsu Yi-chun, betonte an der Eröffnung den tiefen Bezug zwischen diesen Kirchen und Taiwan wie auch ihren Beitrag zur Gesellschaft. Dabei spielt das Museum eine vitale Rolle in der Förderung des Dialogs zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart Taiwans.

Rita Chen

Rita Chen studierte Theologie an der Furen-Universität in Taipei. Danach arbeitete sie rund zwanzig Jahre am Pastoralinstitut in Taipei, wo sie für die Förderung der einheimischen Kirche durch den Aufbau von christlichen Basisgemeinden und die Ausbildung von Führungskräften zuständig war. Von 2003 bis Ende 2006 absolvierte sie in Innsbruck ein Zusatzstudium in Pastoraltheologie (Magister in Religionspädagogik und Lizentiat in kommunikativer Theologie).

Zusammen mit Laurenz Schelbert SMB und ihrem Ehemann Peter Baumann führte sie von 2008 bis 2024 bereits über 45 Kurse in kommunikativer Theologie an verschiedenen Orten durch.

Peter Baumann

Peter Baumann studierte nach der Matura in Immensee von 1963 bis 1967 an der Universität Löwen, Belgien, Philosophie und Psychologie und schloss mit dem Lizentiat ab, anschliessend 2 Jahre Sozialwissenschaften an der Universität Fribourg (Diplomabschluss). Danach leitete er drei Jahre den Sozialdienst Amt Entlebuch, Luzern. Von 1973 bis 1979 Lehrtätigkeit am Internationalen Sozialinstitut der Stadt Kyoto, Japan. Nach der Rückkehr 25 Jahre Projektverantwortlicher Asien für Laieneinsätze der Missionsgesellschaft Bethlehem Immensee, mit vielen Reisen auf die Philippinen, nach Taiwan, Japan und China. Nach der Pensionierung Mitarbeit im Projekt «Fortbildung chinesischer Priester und Schwestern in der Schweiz und in Asien» der Missionsgesellschaft Bethlehem.

Rita Chen und Peter Baumann leiten die Kurse seit 2008.

Kurse für chinesische Seelsorger:innen

Viele Priester der Untergrundkirche in China haben nur eine sehr dürftige Ausbildung, weil es bis in die 1980er-Jahre keine Priesterseminare mehr gab. Deshalb war es der sehnlichste Wunsch von Bischof Joseph Wei Jingyi an die SMB, sich der Priester- und Schwesternausbildung anzunehmen. Seit 2008 unterstützt die SMB daher die Weiterbildung von chinesischen Seelsorgerinnen und Seelsorgern. Bis 2025 wurden bereits 48 Kurse an verschiedenen Orten durchgeführt, und die Nachfrage wächst. Im Jahr 2025 wurden zwei Kurse in Immensee, ein Kurs in Madrid und ein Folgekurs in Rom organisiert.

Kosten für 2025: 62 000 CHF 

Unterstützen Sie die Weiterbildung von chinesischen Seelsorger:innen

Mit einer Spende können Sie die Ausbildung von chinesischen Seelsorger:innen durch die SMB unterstützen. Die Teilnehmenden sind Priester, Schwestern und einzelne Laien. Die meisten stammen aus China.

Schwyzer Kantonalbank

IBAN: CH53 0077 7001 5390 3200 5

BIC: KBSZCH22XXX

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