Elf Lernende von regionalen Holzbaubetrieben pflanzten am Freitag, 2. Oktober 2026, an der Rigi oberhalb der Holderenhütte 1500 junge Fichten. Mit der Aktion kompensierten sie das Holz, das in der zweiten Etappe der Immenseer Siedlung ‹Wohnen im Bethlehem› verbaut wurde.
Autor: Patrick Caplazi / Freier Schweizer
Fotos: Eliane Schelbert, Kost Holzbau AG
Die zweite Etappe des Immenseer Generationenprojekts ‹Wohnen im Bethlehem› steht kurz vor dem Abschluss. Zwei der vier Häuser mit insgesamt 54 Wohnungen sind bereits bezogen, die anderen beiden folgen bis Ende Jahr. Bauherr ist der Verein Missionshaus Bethlehem. Für die Gebäude wurden rund 1500 Kubikmeter Holz verbaut, das vorwiegend von Fichten stammt. Vier Küssnachter Holzbetriebe und der Forstwart Cornel Aschwanden kamen auf den Verein zu und teilten ihm mit, dass sie vorhaben, oberhalb der Seebodenalp als Kompensation des verbauten Holzes 1500 Fichten zu pflanzen – als Geschenk an die Natur und an die Bauherrschaft. «Uns gefiel die Idee sehr gut, gerade auch im Sinne der Nachhaltigkeit», sagt Patrice Riedo, Präsident des Vereins Missionshaus Bethlehem, und ergänzt: «Wir verarbeiteten Schweizer Holz. Deshalb finde ich es eine schöne Idee, dass man dies wieder nachpflanzt.»

Patrice Riedo, Alexandra Gasser, Stefan Kaiser und Hansruedi Küng stehen mit Lernenden der Holzbau-Firmen und halten stolz den Nachweis des CO₂-Instituts in den Händen. Das von der Kost Holzbau AG in der Wohnsiedlung im Bethlehem verbaute Holz hat der Atmosphäre 911 Tonnen CO₂ entzogen.
Idee mit viel Herzblut
Die Idee der Baumpflanzaktion entstand bereits vor einem Jahr am ‹Tag des Schweizer Holzes› im Küssnachter Fänn. Den Anstoss dazu gab Forstwart Cornel Aschwanden. Mit den drei Betrieben Kost Holzbau, Bisang Holzbau und D.W.F. Holzbau, die als Arbeitsgemeinschaft die Holzbauarbeiten der zweiten Etappe der Siedlung ‹Wohnen im Bethlehem› ausführten, sowie der Schilliger Holz AG als Lieferantin des Holzes für das Projekt waren die passenden Partner für die Umsetzung schnell gefunden. Die Idee wurde konkreter: Für die verbauten 1500 Kubikmeter Holz sollten 1500 Fichten gepflanzt werden. Aschwanden, der in Küssnacht aufwuchs, fragte bei der Korporation Berg und Seeboden an, ob auf der Seebodenalp ein geeigneter Ort frei ist. Nach der Zusage und dem vereinbarten Standort war die Bahn frei für das Projekt.

Bis die jungen Fichten zu mächtigen Bäumen werden, dauert es 40 bis 50 Jahre.
Der neblige Pflanztag
Am letzten Freitag war es so weit. Pünktlich um 7.00 Uhr versammelten sich elf Lernende, vier Begleitpersonen der Betriebe und Cornel Aschwanden auf dem Parkplatz Seebodenalp. Nach einer kurzen Autofahrt zur Holderenhütte ging es 40 Minuten zu Fuss bergauf Richtung Rigi. Trotz nebligen Wetters und des anspruchsvollen, sehr steilen Geländes setzten die Lernenden unter Aschwandens Leitung die 1500 jungen, 25 Zentimeter grossen Fichten in den Boden. «Andernorts, wie etwa auf der Allmig, hätte ich unter anderem wegen des Klimawandels und der Trockenheit eine andere Baumsorte gewählt. Auf 1400 Metern über Meer eignen sich Fichten gut», sagt Aschwanden. Dass ausgerechnet Lernende die Bäume pflanzten, hat einen Grund: «Wir beauftragten Lernende, damit sie hautnah erleben, wie ihr Hauptmaterial bei der Arbeit in der Natur entsteht», sagt Ferdinand Schmidlin, Geschäftsführer der Kost Holzbau AG. Vertreter des Vereins Missionshaus Bethlehem, die vor dem Mittag die Gruppe besuchten, waren von der flinken Arbeit der Lernenden beeindruckt. «Wenn man ein solches Geschenk erhält, ist es angebracht, dass man selber vor Ort ist und sich bedankt», sagt Vereinspräsident Patrice Riedo. Nebst ihm waren die beiden operativen Leiter des Vereins, Alexandra Gasser und Hansruedi Küng, sowie Stefan Kaiser, Präsident der vereinsinternen Baukommission, dabei. «Das ist eine gute Sache und ein schönes und nachhaltiges Geschenk mit Weitblick», ergänzt Küng. Für die Lernenden war die Aktion eine wertvolle Erfahrung. «Ich brauche das Holz jeden Tag auf der Baustelle und finde es toll, der Natur etwas zurückgeben zu können», sagt Andrin Hegglin, Lernender im vierten Lehrjahr als Zimmermann EFZ bei der Kost Holzbau AG.

Lernende pflanzten in den steilen Hängen der Rigi 1500 Fichten für 1500 Kubikmeter Holz.
Erst der Anfang
Die Fichten-Setzlinge, die aus Aschwandens Forstbaumschule stammen, wurden zum Schutz vor Wildtieren noch mit Holzspray bespritzt. Damit ist es aber nicht getan. «Ich gehe das nächste Mal im kommenden Mai dorthin und richte die vom Schnee niedergedrückten Bäume wieder auf», sagt der Forstwart, der bereits verschiedenste Aufforstungsprojekte in der Zentralschweiz – unter anderem mit Schulkindern – initiiert hat. Aschwanden geht in den nächsten Jahren immer wieder zu den Fichten, um sie zu pflegen und die umliegenden Farne zu mähen. Bis die jungen Fichten zu mächtigen Bäumen werden, dauert es 40 bis 50 Jahre. Bei der Baumpflanzaktion erfuhren die Lernenden, woher der Rohstoff ihrer täglichen Arbeit stammt.
Holzbau mit langfristiger Wirkung
Für jeden Kubikmeter Holz, der in der Wohnsiedlung Wohnen im Bethlehem verbaut wurde, haben die Lernenden der Holzbaubetriebe einen jungen Baum gepflanzt. Die Anpflanzungen an der Rigi-Westseite wirken auf mehrere Arten nachhaltig: Sie tragen zur Erosionsminderung im steilen Gelände bei, verbessern das lokale Klima und schaffen Bauholz für kommende Generationen.
Ein weiterer Grund für den Hybridholzbau in der zweiten Etappe war die gute CO₂-Bilanz: Durch das von der Kost Holzbau AG verbaute Holz konnten der Atmosphäre 911 Tonnen CO₂ entzogen werden.
Quelle: Hansruedi Küng, Leiter Betriebe Immensee, Verein Missionshaus Bethlehem
