Josef Lenherr

Josef Lenherr, Priester

Abschied von Josef Lenherr (* 21.04.1927; † 30.06.2026), Bethlehem-Missionar SMB.

06.07.2026

Lebensdaten

Geboren 21.04.1927
Priesterweihe 29.03.1953
Musikakademie Zürich: Musikstudium 1953–1956
Gymnasium Immensee: Musikunterricht 1956–1961
Rhodesien/Simbabwe:
Schaffung afrikanischer Kirchenmusik; Weiterbildung in Musik-Ethnologie 1961–1973
Seelsorge; liturgische Publikationen (Mambo Presse, Gweru) 1973–1977
Studienpräfekt; Seelsorge 1977–1983
Schwesternausbildung; Seelsorge; missionsgeschichtliche Publikationen 1984–2024
Verstorben 30.06.2026
(Ps 149,1)

«Singt dem Herrn ein neues Lied!»

Biografie

Josef wuchs in Aesch BL auf und besuchte das Gymnasium in Immensee. 1947 schloss er sich der Missionsgesellschaft Bethlehem an, empfing 1953 die Priesterweihe und feierte seine Primiz in Aesch und Gams SG.

Im gleichen Jahr nahm er in Zürich das Studium der Musik auf. Von 1956 bis 1961 unterrichtete er Musik und Liturgie am Gymnasium Immensee. 1961/62 widmete er sich in der Diözese Gwelo (Gweru), Simbabwe, der Schaffung afrikanischer Kirchenmusik. Es folgte ein Jahr Studium der Musik-Ethnologie in Los Angeles mit einem Einsatz zur Mithilfe in der einheimischen Kirchenmusik in Taiwan.

Ab 1966 setzte sich Josef erneut für die Kirchenmusik in Simbabwe ein: Bondolfi (1966-1973), Mambo Press, Gweru (1973-1977). Dabei entwickelte er ein meisterhaftes Geschick, zusammen mit einheimischen Lehrpersonen und anderen musikalisch Interessierten Kirchenlieder mit einheimischen Melodien und Rhythmen zu schaffen. Innerhalb und ausserhalb der Kirche konnten sich die Menschen mit diesen Gesängen identifizieren und nahmen sie begeistert auf. Bis heute prägen sie die Gottesdienste und inspirieren Musiker und Musikerinnen zu neuen Liedern. Bei der Mambo Press erschienen in diesen Jahren Josefs liturgische Publikationen.

Von 1984 an übernahm Josef verschiedene Seelsorgeposten: St. Michaels, Gweru (1984-1988); St. Peter und Paul, Masvingo (1989-1993); Mambo Press (1994-2003). Anschliessend engagierte er sich in der Schwesternausbildung und stand für Aushilfen zur Verfügung, Tätigkeiten, die er nach seiner Übersiedlung 2016 nach Driefontein weiterführte. Josefs wohltuend direkte und unkomplizierte Art machte ihn für seine Mitmenschen zu einem anregenden Gesprächspartner.

Josef diente der Missionsgesellschaft auch als Delegierter am Generalkapitel, mit Exerzitien in Taiwan und Denver sowie als Studienpräfekt der Region Simbabwe.

In den vergangenen Monaten verliessen ihn seine Kräfte zusehends. Am Abend des 30. Juni verstarb er in Driefontein.

Würdigung von Martin Jäggi SMB

In Dankbarkeit blicke ich auf das Leben von Josef Lenherr zurück, wie ich es erlebt habe.

Er war Schulmusiker, Chorleiter und Organist am Gymnasium. Zusammen mit Jakob Baumgartner vertrat er im Lehrerkollegium die aktuellen Strömungen in Theologie und Liturgik. Deshalb waren wir auf das, was die Konzilsväter 1963–65 als revolutionäre Neuigkeit verkündeten, schon Jahre zuvor vorbereitet worden.
Wir lernten zeitgenössische Chormusik kennen und hörten von seinen Erlebnissen, von seinen Studien in Zürich, von seinem Kompositionslehrer Robert Blum und von der Disziplin, der sich Tänzerinnen und Tänzer des Balletts unterziehen mussten. «Sing mit» war der Titel einer Lieder-sammlung, mit der er uns Studenten zum Singen animierte. Bei den Schultheatern mit der Regisseurin Georgette Boner und Robert Füglister war Musik von tragender Bedeutung. Auf Exkursionen, wie auf Schloss Lenzburg, feierten wir mittelalterliche Musik und im Festsaal des Klosters Einsiedeln den Barock.
Ein Höhepunkt unserer öffentlichen Auftritte war die Radiosendung zur Eröffnung des Missionsjahres 1961.

Josef Lenherr hatte die Gabe, die Talente von Schülern zu entdecken und zu fördern.

Noch viel mehr beeindruckte mich, dass er seine Musikerkarriere zugunsten seines Missionarsberufs aufgab bzw. veränderte.

Sein Studium der Musikethnologie ermöglichte es ihm, sein eigenes Talent ins Spiel zu bringen, nämlich das Gute in

anderen zu entdecken. Als Missionar vermied er es, europäische Singweisen zu propagieren. Stattdessen förderte er Talente aus dem Land Simbabwe und die ihm fremde, aber ihnen eigene Kultur.

Wie Leni in den Diözesen von Gweru und Masvingo wirkte, habe ich nur aus der Ferne mitbekommen. Einmal reiste ich jedoch vom Zweiteinsatz im Norden der Philippinen nach Taiwan und traf dort Hansjörg Auf der Maur. Er überschüttete mich mit Ratschlägen, wie wir die Liturgie gestalten sollten, ebenso wie es unsere Mitbrüder in Taiwan auf Lenis Anraten getan hatten.
Auch in Japan hörte sich Leni herum und berichtete mir freimütig, dass unser Georg Sturm ein viel begabterer Komponist war als er selbst.

Kommen wir in die Schweiz zurück: In den Thurgauer Nachrichten erschien gestern ein Artikel, in dem es unter anderem hiess: «Obwohl Tanzen in der Kirche von vielen konservativen Katholiken wohl noch heute als Gotteslästerung angesehen wird, ist es in Simbabwe ein integraler Bestandteil eines Gottesdienstes. … «Die Immenseer hatten ein revolutionäres Missionsverständnis», erklärte die Gemeindeleiterin in ihren Begrüssungsworten. Denn die Vertreter der Missionsgesellschaft Bethlehem hätten nicht wie andere christliche Missionare ver-sucht, Gott nach Simbabwe zu bringen. Sie wussten, dass Gott schon da ist und dass man den Einheimischen nur helfen muss, ihn zu entdecken. … «Die Missionare ver-suchten, uns mit Dingen von Gott zu über-zeugen, die schon da waren. Darum ist un-ser Glaube so eng mit unserer Kultur ver-bunden.»

So haben wir guten Grund, in dieser Eucharistiefeier Gott zu danken für alles, was Josef Lenherr in seinem Leben für das Reich Gottes gewirkt hat.