Fritz Weber

Abschied von Fritz Weber (* 07.12.1932; † 30.11.2025), Bethlehem-Missionar SMB.

09.12.2025

«Gott, wie zahlreich sind deine Werke. Mit Weisheit hast du sie alle gemacht.»

(Ps 104,24)

Lebensdaten

Geboren in Emmen LU 07.12.1932
Eintritt in die Missionsgesellschaft 01.12.1958
Seminar Schöneck: Gärtner, Maurer 1958–1962
Taiwan:
Taitung: Sprachstudium; Koch und Ökonom im Regionalhaus SMB 1964–1993
Taipei: Mitarbeit im Heim für Obdachlose 1994–2007
Immensee:
Fotograf: Führungen durch thematische Ausstellungen; Beiträge an Publikationen 2007–2025
Verstorben 30.11.2025

Nachruf von Josef Meili (Genesis 1,1-2;11-;20-21;26a,27 – Joh 14,1-6)

Liebe Angehörige von Fritz Weber, liebe Freunde und Bekannte, liebe Mitbrüder,

Bruder Fritz Weber, – so stellte er sich immer Besucherinnen und Besuchern vor – hat für seine Fotoausstellung im kommenden Januar, die er in allen Details schon vorbereitet hatte, das Thema «Daheim» gewählt. «Daheim»

Ob er geahnt hat, dass dieses «Daheim» für ihn so rasch das endgültiges «Daheim» werden würde?

Bruder Fritz Bäcker/Konditor

Bruder Fritz wurde als Viertes von acht Kindern am 7. Dezember 1932 in Emmen geboren. Der Generalobere, Ludovic Nobel hatte schon eine Gratulationskarte für seinen diesjährigen 93. Geburtstag vorbereitet gehabt, in der er u.a. schrieb: «Herzlichen Dank für Deine Präsenz. Es tut gut!» Ich glaube, das können alle nur bestätigen, die in diesen Häusern hier wohnen.

In seinem selbst verfassten Lebenslauf schrieb Bruder Fritz fast stichwortartig: «Bald waren wir acht Kinder, eine Arbeiterfamilie, recht knapp dran, was von unseren Eltern sehr würdig ertragen wurde. Am 24. September 1944 starb unser Vater an Krebs. Mutter zog uns alleine gross. Von 1940 bis 1948 ging ich sechs Jahre in die Volksschule und zwei Jahre in die Sekundarschule. Mit 16 Jahren weg von Daheim, war ich drei Jahre Lehrling als Bäcker/Konditor in der Bäckerei G. Schmid in Suhr bei Aarau. Nachher war ich noch gut sechs Jahre lang als Geselle in Bäckereien in Vourvry, in Weggis und zweieinhalb Jahre Coop in Chur.» Soweit Bruder Fritz.

Von November 1957 bis November 1958 machte Bruder Fritz das Noviziat im damaligen Missionsseminar Schöneck und arbeitete dort als Gärtner und Maurer. Dazu schreibt er kurz: «Ich erlebte in Schöneck sehr glückliche Jahre der Erfüllung».

Nach dem Sprachstudium in England 1963 bereitete er sich vor für die weite Reise nach Taiwan.

Bruder Fritz in Taiwan

Bruder Fritz hat fast die Hälfte seines Lebens in Taiwan verbracht, nämlich 43 Jahre.

Am 5. März 1964 kam er in Taiwan an.

Bruder Fritz lernte Mandarin Chinesisch und vor allem Taiwanesisch. Während seiner Zeit in Taitung als Ökonom im Regionalhaus der SMB musste er ja die täglichen Einkäufe besorgen, denn in Taiwan kauft man jeden Tag ein gemäss ihrem Slogan: Tian tian mai tsai (Jeden Tag einkaufen!). Auf dem Markt spricht man Taiwanesisch, die «Sprache der Strasse», d.h. die Sprache der Händler und Verkäufer. Mit Taiwanesisch erwarb Bruder Fritz natürlich die Sympatie der sogenannten gewöhnlichen Leute. Umgekehrt gingen die Markt-Leute mit ihm auch mit gewisser Vorsicht um, denn er kannte die verschiedenen Händler-Tricks und auch die Nebenbedeutungen in der Sprache zum Ausdruck kam. So rühmte er sich, dass er nur einmal während der vielen Jahre übers Ohr gehauen wurde.

Im Lauf der Jahre in Taitung lernte er von unserm Mitbruder, Gottfried Suter, sel., das Fotografieren. Tagelang fuhr er mit seinem Motorrad durch die Gegenden Taiwans, um spezielle Menschen, Situationen oder Landschaften festzuhalten. Was ihn dabei beliebt machte, war seine Gewohnheit, jeder Person, die er portraitierte, ein Foto zu schicken. Damit sammelte er eine grosse Anzahl Adressen, die es ihm möglich machte, u.U. ein zweites Mal eine originelle Person abzulichten. Die ganze Sammlung seiner Fotos stand im Regionalhaus Taitung den Besucherinnen und Besuchern zur Verfügung, die damit typische und originelle Bilder von Taiwan, ihren Menschen und ihren wunderschönen Landschaften mit nach Hause nehmen konnten.

In Taitung während seiner Zeit als Ökonom besorgte er mit Angestellten unter anderem die Küche für anfänglich etwa 40 Personen. Als Bäcker produzierte er Brot, das jeweils am Montag, wenn die meisten SMB-Mitbrüder und die lokalen Priester ins Regionalhaus kamen, am Abend von ihnen mitgenommen wurde. Auch war er ein Spezialist für Cremeschnitten, die weit herum bekannt waren. Zudem bereitete er auf Weihnachten Dutzende von Kilos Weihnachtsguetzli vor, damit jeder ein grosses Paket mit in die entsprechenden Pfarreien mitnehmen konnte.

Sein Kommentar zu seiner Arbeit im Vergleich zur Arbeit der SMB-Mitbrüder in den Pfarreien: Von meiner Arbeit sehe ich immer ein unmittelbares Resultat: Alles wird mit Freude gegessen. Wie sieht es bei Euch aus: Jahrelang predigt ihr und feiert  Gottesdienste und wo seht ihr ein Resultat, so unmittelbar wie ich?

Deshalb waren wir Missionare in Taiwan alle erstaunt, dass Bruder Fritz sich 1994 entschloss, in der Hauptstadt Taipei mit seinen 6 Mio Einwohnern in einem Obdachlosenzentrum zu arbeiten. Da kamen Obdachlose, verwahrlost bis fast zur Unkenntlichkeit, und Bruder Fritz zusammen mit dem ganzen Team bäppelten sie wieder auf, so dass man sie kaum mehr kannte. Dann gingen sie weg und nach einigen Tagen waren sie wieder da und das oft mehrmals. Wo sah Bruder Fritz ein Resultat? Irgendwie hatte er einen Dreh durchgemacht, abgesehen davon, dass er sich im Regionalhaus mit der Zeit unterfordert fühlte. Was ihn mit den Obdachlosen, denen er an ganz bestimmten Orten, wo sie sich trafen, mit Essenspäckli auf dem Motorrad nachging, verband, war seine Sprache, die Sprache der Strasse, die genau diese Leute verstanden und Bruder Fritz für sie sympathisch und zugänglich machte.

Bruder Fritz der Fotograf

Bruder Fritz kehrte am 24. Mai 2007 in die Schweiz zurück.

Ein Generalabonnement der SBB ermöglichte es ihm, sein Hobby als Fotograf fortzusetzen. Er suchte Menschen: Kinder, alte Menschen, Menschen bei der Arbeit. Er besuchte die schönsten Orte und Landschaften in der Schweiz, die schönsten Gärten, die schönsten Pärke, die zoologischen Gärten, einfach alles, was sein Auge als bewunderungswürdig, als etwas Besonderes, als etwas Staunenswertes erfassen konnte. Sein Hut war sein Markenzeichen.

Und Bruder Fritz freute sich über seinem digitalen Fotoapparat, der es ihm erlaubte, hundertmal abzudrücken, bis er jenes Foto hatte, das er wollte. Und er war sehr heikel in der Auswahl. Das zeigte sich dann auch bei den Fotoausstellungen, wo er mit den Vergrösserungen die feinsten Details und Härchen einer Blume z.B. zeigen konnte.

Wenn er die vielen Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung führte, waren seine Erklärungen eigentlich biblisch Meditationen in Anlehnung an die Schöpfungserzählung, von der wir Ausschnitte in der Lesung gehört haben. Dabei kam auch der tiefste Glaube an den Schöpfergott von Bruder Fritz zum Ausdruck, der bei solchen Wundern nur staunen konnte und dieses Staunen weitergab.

Die Themen seiner Foto-Ausstellungen hatten immer mit dem Staunen über die Wunder der Schöpfung zu tun und die Besucherinnen und Besucher staunten dann auch über die Fähigkeit von Bruder Fritz, wie er eine Blume genau im richtigen Licht und Augenblick festgehalten hatte.

Seine Fotoausstellung, die er auf den kommenden Januar geplant und vorbereitet hatte, hat – wie ich schon erwähnt habe – zum Thema «Daheim».

Bruder Fritz hat jetzt sein endgültiges Daheim gefunden, eine Wohnung, wie wir im Evangelium gehört haben, die sein Meister, Jesus Christus, für ihn vorbereitet hat.