Alfred Wey

Abschied von Alfred Wey (* 12.07.1934; † 01.12.2025), Bethlehem-Missionar SMB.

11.12.2025

«Gott ist grösser als unser Herz und er weiss alles.»

(1 Joh 3,20)

Lebensdaten

Geboren 12.07.1934
Priesterweihe 04.04.1971
Lehre und Tätigkeit als Schriftsetzer 1950–1960
Gymnasium, Studium der Theologie 1960–1971
Kolumbien: Sprachstudium, Einführung 1972–1973
Argelia: Seelsorge 1974–1980
Popayán: Regionaloberer der SMB 1980–1986
El Bordo: Seelsorge 1987–1990
Cartagena: Aufbau der Pfarrei, Seelsorge 1990–2000
Popayán: Administration, Aushilfen 2000–2024
Verstorben 01.12.2025

Würdigung von Josef Meili SMB (Röm 8,31-39; Lk 4,16-21)

Liebe Angehörige von Alfred Wey, liebe Bekannte und Freunde, liebe Mitbrüder,

«Mit offenen Augen und Ohren auf den Nächsten zugehen». Das könnte als Motto über dem langen Leben von Alfred Wey stehen.

Fredy, wie wir ihn nannten, wurde 1934 in Wolhusen geboren. Auf seine Herkunft und Verwurzelung im grössten Buch der Welt, nämlich dem Entlebuch war er stolz. Und er drückte dies auch konkret aus, indem er jeden Tag die Webseiten des Entlebuch auf Neuigkeiten hin durchkämmte. Es erstaunt auch nicht, dass er in Kolumbien einen Brand in Wolhusen entdeckte und mit einem Telefon in die Schweiz die Feuerwehr alarmiert wurde.

Nach Beendigung der obligatorischen Schulzeit entschied sich Fredy für eine Lehre als Schriftsetzer und übte diesen Beruf einige Jahre aus.

Doch dann entschied er sich für ein missionarisches Engagement und durchlief als erwachsener Mann, der neun Jahre älter war als wir, seine Klassenkameraden, mit uns das Gymnasium hier in Immensee. In seinem Kondolenzschreiben drückt ein ehemaliger Maturakollege seine grosse Bewunderung für Fredy’s Fähigkeit aus, sich in dieser Situation so vortrefflich anpassen zu können.

Im Noviziat in Schöneck ob Beckenried, das ich mit Fredy zusammen erlebten durfte, fanden wir beide in der Musik eine willkommene Abwechslung zum fast klosterähnlichen Alltag.

Da ich eine B-Klarinette spielte, musste Fredy alle Stücke für mich transponieren, damit er mit seinem Cello mit mir zusammenspielen konnte. Die umgeschriebenen Notenblätter widerspiegelten seine Präzision als Schriftsetzer und waren wie gedruckt. Während des Theologiestudiums formte sich sogar ein Quintett: Cello, Bratsche, Violine, Flöte und Klarinette und unter der Leitung unseres damaligen Musiklehrers Georg Schaffhauser brachten wir es bis zu einem Klarinettenquintett von Mozart. Das waren erste musikalische «Höhepunkte» für Fredy.

Am 4. April 1971 wurde Fredy von Johannes Vonderach, dem Bischof von Chur, hier im Missionshaus zum Priester geweiht.

Anschliessend war er bis zu seiner Ausreise nach Kolumbien in der Pfarreiseelsorge tätig.

Im September 1972 traf Fredy in Kolumbien ein, wo im Südwesten mehrere Mitglieder der Missionsgesellschaft Bethlehem in der Pfarreipastoral tätig waren. In den folgenden dreissig Jahren findet man Alfredo, wie er von jetzt an genannt wurde, immer zusammen mit einem Team im Einsatz in den Pfarreien Argelia, El Bordo und in Cartagena.

Während dieser Zeit amtete er auch drei Jahre als Regionalrat und wirkte zwei Jahre als Studienpräfekt.

Mit der engen Zusammenarbeit von Katecheten, Pflegepersonal, Hauswirtschafterinnen und Handwerker hatte in Kolumbien eine Art missionarischer Arbeit begonnen, die alle Bereiche des menschlichen Lebens umfasste, die religiöse, die kulturelle, die gesellschaftliche, die wirtschaftliche und die politische, also eine ganzheitliche Begleitung der Gemeinden beinhaltete, und dabei deren Eigeninitiativen förderte. Dies beeindruckte und inspirierte Alfredo von Anfang an.

So wählten die Mitglieder der SMB und die Laienmitarbeitenden, deren Zahl ständig gewachsen war, am 15. August 1980 Alfredo zum Regionaloberen.

Als Verantwortlicher für die sehr vielfältige Arbeit, die von ebenso unterschiedlichen Mitarbeitenden geleistet wurde, förderte er ihre enge Zusammenarbeit, welche in diesem Umfeld der ständigen Verletzung menschlicher Grundrechte absolut notwendig war und auch gegenseitige Unterstützung und Schutz bot. Auf diese Weise wurde das Wort des Paulus an die Gemeinde in Rom, das wir in der Lesung gehört haben, eine grosse spirituelle Stütze für die Missionarinnen und Missionaren, nämlich: «dass weder Bedrängnis oder Not, Verfolgung oder Gefahr oder Schwert sie trennen konnte von der Liebe Christi.»

Folgende Grundwerte leiteten Alfredo’s missionarisches Engagement als Regionaloberer:

  • Die Verkündigung der frohen Botschaft von der Liebe Gottes und der Befreiung aller Menschen, die durch Jesus von Nazareth beispielhaft verwirklicht wurde, muss verkündet werden.
    Wir haben diese frohe Botschaft im Evangelium gehört, wo Jesus verkündet, dass er gekommen sei, den Armen eine gute Nachricht zu bringen, die Unterdrückten in Freiheit zu setzen.
  • Damit wesentlich verbunden ist die konkrete Veränderung der Menschen und der Gesellschaft. Die notwendigen Veränderungen werden vor Ort erfasst, und mit entsprechenden Massnahmen zusammen mit der lokalen Bevölkerung umgesetzt.
  • Trägerinnen und Träger dieser so gearteten ganzheitlichen Pastoralarbeit sind die lokale Bevölkerung, die dazu begleitet und befähigt wird.

Klar sichtbar ist in diesen Impulsen von Alfredo, dass man sich bei einem solchen Engagement nicht auf sichere Distanz zurückziehen kann, sondern den Kontakt mit Menschen suchen und weiter pflegen muss, mit offenen Ohren und offenen Augen auf den Nächsten zuzugehen und alles zu unternehmen, um eine Solidarität aufzubauen, damit eine gerechtere und menschlichere Zukunft verwirklicht werden kann.

Ab dem Jahr 2000 wohnte Alfredo im SMB-Haus in Popayán und stand an verschiedenen Orten für Aushilfe zur Verfügung, wobei er die Weihnachtszeit und die Karwoche immer für das Bergdorf Cimarronas reservierte, das ihm besonders am Herzen lag.

Alfredo war 1972 nicht allein nach Kolumbien ausgereist. Allerdings nicht mit einem Missionar oder einer Missionarin, sondern es war sein Cello, das ihn in seine neue Heimat begleitete.

Und dort in Kolumbien erlebte Alfredo wohl einen zweiten musikalischen Höhepunkt, wenn er in einem Streich-Quartett, das sich in Popayán im Lauf der Jahre zusammengefunden hatte, mit grossem Ernst und Begeisterung mitspielte. Auf Visitationsreisen konnte ich jeweils sein bleibendes musikalisches Talent mit grosser Freude geniessen.

Als 2023 das Generalkapitel der Missionsgesellschaft in Immensee stattfand, war Alfredo als Delegierter der SMB in Kolumbien dabei.

Er engagierte sich sehr in den Verhandlungen, besonders, als es um die Öffnung der SMB für Mitglieder aus anderen Kontinenten ging. Seine Voten waren immer wohl überlegt.

Niemand hätte damals geglaubt, dass seine körperlichen Kräfte ihn ein Jahr später plötzlich verlassen würden. Sein Geist blieb aber wach.

Am 1. Dezember dieses Jahres ist Fredy im SMB-Haus in Popayán friedlich eingeschlafen.

Sein Name – Alfredo – lebt weiter nicht nur hier unter uns, sondern auch in der kolumbianischen Stadt Cartagena, wo er viele Jahre wirkte, wo eine Strasse so benannt ist: Calle Padre Alfredo Wey.